Kommen jetzt amerikanische Verhältnisse in die deutschen Wohnstuben?

Von Heinz Blüthmann und Rainer Frenkel

Am Neujahrsmorgen um 10.30 Uhr, wenn viele Bundesbürger noch ihren Kater zu verscheuchen suchen, geht’s los – mit der Feuerwerksmusik von Händel. Gleichgültig wie gut oder schlecht das Münchner Bach-Orchester musiziert, das festliche Konzert markiert ein Medien-Ereignis ersten Ranges: die Premiere des privaten Fernsehens in Deutschland.

Festliches Publikum wird es jedoch nicht geben. Beim medienpolitischen Urknall werden kaum mehr Menschen vor ihren TV-Schirmen sitzen als gewöhnlich bei der letzten Vorstellung in einem schlecht besuchten Vorstadtkino.

Die erste Fernsehsendung hierzulande, die nicht unter der Regie der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von ARD und ZDF steht, aber dennoch den Segen der zuständigen Hoheitsträger hat, läuft nämlich nur über die Kabel des Pilotprojektes Ludwigshafen. Angeschlossen sind beim Projektbeginn am 1. Januar maximal tausend Fernsehgeräte.

Die bescheidene Startbasis steht im seltsamen Kontrast zur gewaltigen Diskussion, die gerade um dieses Projekt in der Öffentlichkeit stattfand. Dieser erste von vier Kabelversuchen (neben München, Dortmund und Berlin), auf die sich die Ministerpräsidenten der Länder vor fünf Jahren einigten, ist zugleich der einzige, an dem auch private Veranstalter in eigener Programm-Verantwortung mitmachen dürfen.

Private Programm-Macher ja oder nein? An dieser Kernfrage erhitzen sich die Gemüter von Politikern und Interessenten, ohne daß ein Konsens in Sicht wäre. Die Sozialdemokraten, Arm in Arm mit den Gewerkschaften und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, gebärden sich konservativ. Sie wollen alles so lassen, wie es ist.