ZEIT: Im Streit um die 35-Stunden-Woche scheinen die Fronten vollkommen verhärtet zu sein. Gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit, einen frontalen Zusammenprall zu vermeiden?

Janßen: Ich bin in diesen Dingen immer ein skeptischer Optimist. Ich hoffe bei den Arbeitgebern noch auf Einsicht, denn zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit gibt es ja wohl keine Alternative, erst recht nicht, nachdem die Vorstellungen der Regierung für eine Vorruhestandsregelung bekannt sind. Die würden beschäftigungspolitisch so gut wie gar nichts bringen.

ZEIT: Ist die IG Metall zu einem Spitzengespräch mit den Arbeitgebern bereit, wenn sich damit der Konflikt entschärfen ließe? Bisher ist ein solches Angebot der Arbeitgeber abgelehnt worden.

Janßen: Das „Angebot“ von Gesamtmetall war ja an Vorbedingungen geknüpft. Die 40-Stunden-Woche sollte festgeschrieben werden; das Gespräch sollte nur um die sogenannten Alternativen von Gesamtmetall zur generellen Verkürzung der Arbeitszeit gehen. Darauf konnten wir uns natürlich nicht einlassen. Wenn es im Verlauf der Tarifbewegung vernünftig erscheint, mit Gesamtmetall ein Spitzengespräch zu führen dann wird unser Vorstand darüber beraten. Ich sehe keinen Grund, ein Spitzengespräch, wenn es der Lösung des Konflikts dient, nicht zu nutzen.

ZEIT: Es gibt Umfragen, daß die Arbeitnehmer der 35-Stunden-Woche skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Kann die IG Metall unter diesen Umständen einen Arbeitskampf wagen? Muß sie nicht befürchten, daß die Basis in den Betrieben ihr nicht folgt?

Janßen: Ich habe ganz andere Erfahrungen. Die Umfragen, auf die die Arbeitgeber sich berufen, sind ja von den Arbeitgebern in Auftrag gegeben worden. Die Ergebnisse werden den Erwartungen des Auftraggebers gerecht. Ich bin ganz sicher: Wenn wir unsere Mitglieder im Verlauf der Tarifbewegung befragen, ob sie zur Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit mit uns anstreben wollen, dann werden nahezu alle uns folgen. Wir nennen das aber dann nicht Meinungsumfrage sondern Urabstimmung.

ZEIT: Es gibt aber bei den Arbeitnehmern sogar Widerstand gegen den Abbau von Überstunden, weil dies Einkommensverluste bedeutet.