Nur durch Buchungstricks konnte die Grundig AG wieder einen Gewinn ausweisen.

Mai Grundig war der Gefangene seiner voreiligen Versprechungen. Schon im März 1982, das Geschäftsjahr 1982/83 war gerade sechs Wochen alt, veranlagte er seinen damaligen – und inzwischen längst wieder gefeuerten – Finanzchef René Dreier, eben für dieses Geschäftsjahr einen Umsatz von 3,5 Milliarden Mark und einen Gewinn von „über zweihundert Millionen Mark“ zu avisieren.

Etwas vorsichtiger war Max Grundig bereits, als er in seiner bisher letzten Pressekonferenz, Ende Oktober 1982, nach dem damals noch laufenden Geschäftsjahr gefragt wurde. Jedenfalls aber, so versicherte er, stehe außer Frage, daß man mit einem Gewinn abschließen werde, der „einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen kann“.

Als dann das Geschäftsjahr zu Ende war, hüllten sich die Grundig-Oberen erst einmal mehr als acht Monate in Schweigen. Zudem gab es nach der „Ausdünnung“ des Spitzenmanagements durch den immer hektischer werkelnden Max Grundig weder einen Vorstandsvorsitzenden noch einen Finanzchef, den man nach dem Ergebnis hätte fragen können.

In der vergangenen Woche wurden nun, wie berichtet, die Abschlüsse der Grundig AG und der Max-Grundig-Stiftung für das am 31, März beendete Geschäftsjahr 1982/83 endlich vorgelegt. Der Umsatz blieb mit drei Milliarden Mark zwar deutlich unter den Erwartungen, in der Konzernrechnung wurden aber immerhin ein Jahresüberschuß von 104 Millionen Mark ausgewiesen – dreistellig, wie der Firmenpatriach in gekündigt hatte, aber nur halb so hoch wie ursprünglich versprochen.

Von Anfang an wurde vermutet, daß dieser Gewinn-Ausweis nur dadurch zustande gekommen ist, daß sich die Bilanzexperten in Fürth eine ganze Reihe zwar legaler, aber verpönter Tricks einfallen ließen. Inzwischen läßt sich erkennen, wie ungemein virtuos die Grundig-Finanzabteilung in der bilanziellen „Granzone“ zwischen Grundig AG und Konzernabschluß die roten Zahlen verschleiert hat.

Hätte man alles beim alten gelassen, die Vertriebswege und die Bewertungsmaßstäbe nicht geändert, so wäre ein Verlustausweis in der Größenordnung von fünfzig Millionen Mark unausweichlich geworden (siehe ZEIT vom 23. Dezember). So aber wurde die Grundig Vertriebs-GmbH neu ins Leben gerufen (durch Umfirmierung einer bestehenden Firma), die von der Grundig AG das Vorratsvermögen „für den Bereich Unterhaltungselektronik und Bürogeräte“ übernahm. Das allein trieb den Umsatz der AG um dreißig Prozent hoch.