Ein Wechsel im Management ist immer dann besonders spannend, wenn es dabei Streit zwischen den Beteiligten gibt. Unter diesem Aspekt war sicher der Abschied von Manfred Lennings, bis November 1983 Chef des Maschinenbau-Konzerns Gutehoffnungshütte (GHH) besonders aufregend, denn er beschäftigte immerhin mehr ab ein halbes Jahr lang die Gazetten. Eröffnet wurde der Reigen mit einem Artikel im manager magazin im April dieses Jahres: „Supermann in Not“. Auch ein neunseitiges Dementi von GHH ließ von da an die Gerüchte nicht mehr verstummen. Vordergründig ging es um hohe Verluste bei der GHH-Tochtergesellschaft MAN, im Hintergrund stand der Führungsstil des Manfred Lennings und die Unzufriedenheit des GHH-Aktionärs Commerzbank. Entnervt bot Lennings schließlich seinen Rücktritt an, seit November wird GHH von Klaus Götte geführt.

Ruhig ist es um Lennings aber auch jetzt noch nicht geworden. Denn der ehemalige Manager ist nun Kandidat für einen Staatssekretäts-Posten bei Verteidigungsminister Manfred Wörner. Auch die Kür wird zur Qual: Wieder zieht sich der Entscheidungsprozeß über Wochen hin.

Schneller als Lennings, aber ebenso überraschend ging Lothar Schmechtig. In zwanzig Jahren hatte der Manager Foto-Quelle zum größten Photohaus der Welt gemacht. Differenzen über die Geschäftspolitik werden ab Gründe für-seinen Ausstieg genannt. Außerdem aber war Quelle-Chef – und Schickedanz-Schwiegersohn – Hans Dedi Schmechtigs Publicity bei der Quelle-Tochter ein Dorn im Auge.

Der spektakulärste Fall des vergangenen Jahres aber war der Sturz des Horst-Dieter Esch. Der vierzigjährige Chef und Gründer des Baumaschinenkonzerns IBH galt bis zum Herbst als Parade-Beispiel für eine steile Unternehmer-Karriere. Erst 1975 hatte er seine Firma gegründet. Durch Zukauf von maroden Konkurrenten bastelte sich Esch seinen Konzern zusammen – und überraschte die Öffentlichkeit immer wieder mit neuen Erfolgsmeldungen. Eschs Zahlen jedoch waren getürkt. Umsätze wurden über Beteiligungsfirmen künstlich in die Höhe getrieben.

Der lang erwartete Aufschwung für die Baumaschinenindustrie blieb auch im abgelaufenen Jahr aus – das Kartenhaus des Horst-Dieter Esch war damit zum Einsturz verurteilt.

Der ehemalige Wundermann selbst jedoch kam vergleichsweise glimpflich davon. „Meine finanziellen Verhältnisse sind geordnet“, konnte er auch nach der Pleite seiner Gruppe noch sagen. Der Mann, der vor acht Jahren mit einer Million ausgezogen war, einen Konzern zu gründen, sitzt heute auf mehreren Millionen – und ist außerdem Eigentümer einer kleinen Fabrik für Holzbearbeitungsmaschinen.

Schlechter sind da einige der Finanziers des ehemaligen Wunderknaben dran. Esch-Opfer waren zwei Bankiers mit Namen von historischem Klang: Ferdinand Graf von Galen und Hans-Hermann Münchmeyer. Beide waren persönlich haftende Gesellschafter der von Esch mit in den Abgrund gerissenen Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co KG (SMH-Bank). Der eine – Graf Galen – stürzte, weil er zu lange an Esch geglaubt und auf kongeniale Weise legale Konstruktionen erfunden hatte, die ein viel zu großes Esch-Engagement vor den strengen Augen der Bankenaufsicht verbargen.