Die Wahrheit über den Aufschwung

Zum Jahresende gilt es, Dank zu sagen, Dank an eine Regierung, die – ungeachtet aller Kritik – das Richtige getan hat, obwohl ihre Repräsentanten zunächst öffentlich das Gegenteil gefordert hatten.

Die Rede ist von der christlich-liberalen Koalition und von der Mehrwertsteuer. Zum 1. Juli des abgelaufenen Jahres wurde die Mehrwertsteuer von 13 auf 14 Prozent heraufgesetzt, und die Regierung mußte sich viel Kritik gefallen lassen. Denn in der Opposition hatten gerade Christdemokraten und-soziale immer wieder vor der Mehrwertsteuererhöhung gewarnt; die Belastung der Arbeitnehmer werde damit unerträglich; Leistung lohne sich noch weniger.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer paßte dann so recht in das Klischee der Kritiker, die an Kanzler Kohl kein gutes Haar lassen wollten. Da ließ sich doch scheinbar mit den eigenen Worten und Taten der Regierungsvreter beweisen, daß es wieder einmal gegen die Kleinen ging; daß hier „Sozialabbau“ getrieben wurde; daß Worte aus Oppositionszeiten nichts gelten sobald ihre Urheber auf der Regierungsbank sitzen.

Die Christlich-Liberalen aber focht das alles nicht an. Sie taten, wie geplant – und siehe, es war gut getan.

Denn nichts von all dem, was sie selbst vorausgesagt hatten, erfüllte sich. Die Verbraucher kauften auf Teufel komm raus, die Konjunkturbarometer zeigten nach oben.

Denn die Bonner hatten in ihrer – von niemand erwarteten und bisher auch von keinem erkannten – Weisheit ein Wunder bewirkt: Die höhere Steuer führte nicht zu einer stärkeren Belastung der Verbraucher, wie sogenannte Fachleute geunkt hatten, im Gegenteil.