TTm Vordergrund drängen sich ein Dutzend Grabsteine: der Friednof von Beckermet in ACumbria. Dahinter überragen die Kühltürme und Schornsteine des Kernkraftzentrums Windscale bedrohlich die düstere Grabesstille. Fast halbseitig illustriert das Photo einen Bericht des Londoner Guardian über die von der NaklearAnlage ausgehenden Strahlungsrisiken, Der Totenacker und Windscale liegen vier Kilometer voneinander entfernt, doch das Objektiv des Photpgraphen verkürzt die Perspektive des Tatsächlichen gekonnt.

Mit solchen Mitteln wird immer noch eine Auseinandersetzung geführt, die sich in Großbritannien jetzt wieder an einer Dokumentation der kommerziellen Fernsehgesellschaft ITV entzündet hat. Sie brachte eine angeblich erhöhte Leukämierate in der Umgebung des Werkes in Zusammenhang damit, daß es radioaktive Abwässer in die Irische See einleitet. Als dann kurz nach Ausstrahlung der Sendung Vertreter von Greenpeace zum Tatort eilten und einen radioaktiven Ölfilm an den Gestaden Cumbrias dingfest machten, wurde dies als ein neuer Beweis für die Unzuverlässigkeit der Atomindustrie vorgelegt.

Die seit 1948 bestehende Anlage in Windscale, in der 1956 der erste kommerzielle Atommeiler der Welt des Betrieb aufnahm, hat sich immer wieder durch kleinere oder größere Pannen ins Gerede gebracht.

Beim Herauslösen der Brennstäbe brach 1957 in einem Kleinreaktor zur Plutoniumherstellung ein Feuer aus. Entweichende Radioaktivität wurde ak foll ottt sogar bis in Wien gemessen.

Eine Explosion in der Wiederaufbereitungsanlage für Magnox Brennstäbe ließ 1973 Spaltungselemente in Gebäude entweichen, die daraufhin für mehrere Jahre geschlossen werden mußten. Nur zwei Wochen, nachdem Greenpeace 1983 den radioaktiven Ölfilm ausmachte, wurde erneut Alarm geschlagen. Der Bevölkerung wurde geraten, nicht an oen Strand zu gehen, da man erhöhte Strahlungsmengen im Tang gemessen habe. In anderen Wirtschaftszweigen beschäftigen Unfälle solch beschränkten Ausmaßes kaum jemanden, außer vielleicht den Sicherheitsbeauftragten. An die Kernindustrie hingegen wird zu Recht ein anderer Maistab angelegt. Doch es gibt noch einen weiteren Grund für die Sensibilität der Öffentlichkeit: Die Meßmethoden der Atomphysik haben sich derart verfeinert, daß auch unbedeutendste Strahlungsmengen akkurat ausgemacht werden können - wie etwa der fall out über Wien.

Wenn Sicherheitsvorkehrungen nicht hinreichend befolgt werden, oder wenn Industrien die Umwelt übermäßig belasten, dann sind sehr oft die höheren Kosten besserer Schutzmaßnahmen die Ursache. Nicht so bei der British Nuclear Fuel (BNFL). Ihr Betriebsstatut legt unzweideutig fest, daß Sicherheit und Umweltschutz in jedem Fall Vorrang vor betriebswirtschaftlichen Erwägungen haben.

"In Sicherheitsfragen gibt es bei uns keine Querelen", behauptet Bill Maxwell, der Betriebsratsvorsitzende bei BNFL. Tatsächlich haben sich die setzt, die von der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) erlassenen Richtwerte seien unangemessen hoch. Warum solle ein Arbeiter zehnmal so hohen Dosen (5 rem) ausgesetzt werden dürfen wie die Allgemeinheit (0 5 rem)? Heute belauft sich die Durchschnittsbelastung im Werk tatsächlich auf 0 5 rem, während die Höchstgrenze betriebsintem auf 1 5 heruntergeschraubt wurde.