Hamburg ist von der Roten Armee genommen, Hannover auch – die Russen kamen über Dänemark, fielen in Schleswig-Holstein ein. eroberten in Stunden Lübeck und Kiel; erst hinter der Weser bilden Nato-Streitkräfte Verteidigungsstellungen für das Ruhrgebiet. Daraufhin greifen die Warschauer-Pakt-Staaten vom Gebiet der DDR aus mit Atomraketen das Ruhrgebiet an. Der nukleare Holocaust hat begonnen. Vorerst allerdings auf Pappe, Leim und Plastik. „Nato – Der Krieg in Europa“ ist nämlich ein neues amerikanisches Gesellschaftsspiel, von dem in wenigen Monaten – Europa geht für ein paar Dollar in Flammen auf – über 100 000 Exemplare verkauft wurden.

Die Konkurrenz schlief nicht – zwei Tage später war „Taktischer Kampf um Europa“ auf dem Markt, das niedliche Würfelspiel. Ostblockmãchte greifen an, siegen, setzen Atomwaffen ein. Gemeinsam ist der hübschen Freizeitbeschäftigung: Die Bundesrepublik wird eingeäschert. Wollen Sie mit einer Sechs den Ayatollah rauswürfeln und die GIs nach Teheran rein? Wollen Sie die Ledernacken mit ein paar Bechern voller Würfel in Kuba und Nicaragua einfallen lassen? Wollen Sie 239 US-Soldaten im Libanon von arabischen Kamikazekämpfern in die Luft jagen lassen? Können Sie alles kaufen, „nur Spiele“, wie die Hersteller geschamig empörten Kritikern entgegnen.

„Die Schlacht im Nahen Osten“, das ekelhafte Libanonspiel, verschwand vorübergehend vom Markt, als es von der Realität eingeholt wurde. Bitte umtauschen. Vielleicht gegen Nürnberger Lebkuchen, Marke „New York Brand“? FJR