Mit ihrer Familie Berg hat die Schwedin Gunnel Linde so etwas wie eine Durchschnitts-Muster-Familie geschaffen. Die Mutter ist Postbotin, der Vater Lokomotiv-Führer, sie haben vier Kinder: Svan, Vesle, Jeppe und einen zweijährigen Nachzügler. Während in den vorangegangenen Titeln „Wie eine Hecke voll Himbeeren“ und „Ein Fahrrad auf dem Rand der Wolken“ die älteste Tochter Svan und die kratzbürstige Vesle die Hauptrolle spielen, ist es nun der elfjährige Jeppe –

Gunnel Linde: „Dingo, der Trommler“, aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer; Anrich Verlag, Modautal-Neunkirchen; 206 S., 19,80 DM.

Die Bergs, Leute wie du und ich, sind klare Identifikationsfiguren; mit ihnen erleben wir den Alltag von nebenan.

Wie die Familie mit diesem Alltag allerdings umgeht, ist dann doch mehr als durchschnittlich. Beinah ist das schon mustergültig, so jedenfalls, wie es der Leser gerne können möchte. Dabei macht die Autorin das Vorbildhafte nie so „deutlich“, daß es penetrant würde.

Die Bergs sind so fehlbar wie human. Sie liefern die positive Folie, auf der das Schicksal des Pflegekindes Dingo besonders kraß hervortreten muß.

Herumgestoßen vom Heim zu ständig wechselnden Pflegestellen entdeckt Dingo ein Ventil für seine Gefühle: das Schlagzeugspielen.

Der verschlossene, wenig geliebte Junge verwandelt sich in einen gelösten, glücklichen Trommler. (Das Titelbild macht diese Metamorphose sehr schön deutlich.)