Südafrikas Offensive gegen Stützpunkte der namibischen Swapo in Angola hat zur direkten Konfrontation zwischen südafrikanischen Truppen und der regulären angolanischen Armee geführt.

Die südafrikanische Militärführung begründet ihr Vorgehen ausschließlich als Schlag gegen die vom südlichen Angola aus operierenden Swapo-Einheiten. Die namibischen Unabhängigkeitskämpfer wurden aus der Luft und von Bodentruppen angegriffen: Vier südafrikanische Kampfflugzeuge bombardierten ein Swapo-Quartier mitten in Angola (300 Kilometer nördlich der Grenze zu Namibia), wo nach Angaben Pretorias Hunderte von Guerillas stationiert waren. Die Südafrikaner berichteten, daß Boden-Luft-Raketen sowjetischer Bauart auf ihre Flugzeuge gefeuert wurden.

Die angolanische Nachrichtenagentur berichtete über eine ganze Serie südafrikanischer Angriffe auf kleine Städte im Süden Angolas, die vor allem die Zivilbevölkerung trafen. Gleichzeitig gaben die rechten angolanischen Freischärler der Unita, die mit Unterstützung Pretorias gegen die Regierung in Luanda kämpfen, ein spektakuläres Signal ihrer Macht: Sie ließen 26 Geiseln frei, zum größten Teil Portugiesen, die sie schon seit Monaten gefangenhielten. 20 Tschechoslowaken – so wurde bekannt – sollen in der Gewalt der Unita bleiben, bis die bekämpfte angolanische Regierung im Austausch Unita-Leute aus der Gefangenschaft freigibt.

Kurz vor dem Jahreswechsel überschritten südafrikanische Heeresverbände die angolanische Grenze, um kleinere Swapo-Einheiten im Grenzgebiet zu bekämpfen. Der südafrikanische Oberkommandierende, General Constand Viljoen, rechtfertigte die südafrikanische Offensive mit der Notwendigkeit, die Bevölkerung Namibias vor den Swapo-Guerillas zu schützen. Diese Begründung sollte offensichtlich Sympathien Washingtons gewinnen; Südafrika könne sich einen „bewaffneten terroristischen Feind vor der Haustür“ ebensowenig leisten wie die USA die Widersacher auf Grenada,

In Wirklichkeit war die Swapo auch vor den südafrikanischen Angriffen kaum stärker als in den langen Jahren ihres Kampfes um Namibia, und selbst südafrikanische Zeitungen fragten nach der Logik der in vielen Einzelheiten geheimgehaltenen Offensive. Viel spricht dafür, daß Pretoria bewußt die militärische Konfrontation mit der regulären angolanischen Armee sucht – und damit auch, so mag das Kalkül Bothas gehen, mit den Kubanern in Angola. Fidel Castro müßte im Fall der direkten Konfrontation wohl sein militärisches Engagement aufrechterhalten – trotz seiner zuletzt oft geäußerten Absicht zum Abbau der Verwicklung in ferngelegenen Krisengebieten. Südafrika muß paradoxerweise an der kubanischen Präsenz in Angola interessiert sein, solange die amerikanische Regierung den Standpunkt Pretorias teilt, daß Namibia nicht unabhängig werden darf, bis die Kubaner aus Angola abziehen.

HJG