ZEIT: Geplante Änderungen zur Teilzeitarbeit sollen insbesondere Verbesserungen für die umstrittenste Form der Teilzeitarbeit, für Kapovaz, bringen. Was ist Kapovaz eigentlich?

Pfarr: Kapovaz heißt kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit, man sagt auch Arbeitszeit auf Abruf. Der Arbeitgeber schließt mit den Arbeitskräften einen Jahres- oder Halbjahresvertrag ab, daß die Teilzeitkräfte im Laufe einer Woche, eines Monats oder eines Jahres ein bestimmtes Stundensoll erarbeiten, und zwar zur jeweils vom Arbeitgeber festgesetzten Zeit. Die Arbeitnehmer, in allen mir bekannten Fällen handelt es sich um Arbeitnehmerinnen, sind telephonisch abrufbar.

ZEIT: Für den Unternehmer eine ideale Sache.

Pfarr: Sehr sogar, vor allem im Einzelhandel, weil der seine Personalplanung darauf abstellt, mit festen Vollzeitkräften den Bedarf für die Zeiten des geringsten Arbeitsanfalls abzudecken. Der variable Einsatz der Teilzeitkräfte folgt dann der unterschiedlichen Kundenfrequenz.

ZEIT: Kommt denn diese Arbeitszeitform nicht auch den Bedürfnissen der Frauen nach?

Pfarr: Auf den ersten Blick sieht das so aus. Tatsächlich empfinden das ja auch viele Frauen so. Sie meinen, so ließe sich die Doppelbelastung durch Beruf und Familie gut vereinbaren. Aus der Sicht des langfristigen Interesses entspricht diese Arbeitszeitform aber eben nicht den Bedürfnissen der Frauen. Erstens werden sie unterbezahlt. Bei der Vollarbeitszeitkraft werden ja auch die durch die Kundenfrequenz bedingten Pausen mitbezahlt. Die Teilzeitbeschäftigten auf Abruf kennen solche Pausen nicht, weil sie ja nur in den Spitzenzeiten eingesetzt sind, also bekommen sie für mehr Arbeit weniger Lohn. In der Regel sind sie sozial schlechter gestellt, weil sie nicht an allen Sozialleistungen teilnehmen. Zweitens bleibt innen die qualifiziertere Arbeit stets verschlossen, denn dafür werden nur die Vollzeitbeschäftigten eingesetzt. Das Dritte schließlich ist, daß die Arbeitnehmerinnen nicht ausreichend über ihre Rechte informiert sind und daß das Arbeitsschutzrecht deshalb häufig umgangen wird.

ZEIT: Könnten Sie ein Beispiel nennen?