Die Deutsche Presseagentur (dpa) kann einen ganz schön erschrecken: „Sieben evangelische Theologieprofessoren haben in einem offenen Brief an die evangelischen Gemeinden der Bundesrepublik dazu ermahnt (!), vor dem Sakramentsempfang beim Abendmahl zu beichten“, hieß es in der Meldung Nr. 198 vom letzten Donnerstag. Wollen die Herren den Beichtstuhl in ihre reformierten Kirchen zurückholen? Sollen Telephon-Seelsorge und psychiatrische Beratungen wieder von der Ohrenbeichte abgelöst werden? Gemach. Abgesehen davon, daß der offene Brief vom 10. November datiert ist: Als Kerngedanken enthält er die Sorge der Theologen, daß durch modernistische Veränderungen in der Spendenformel „dem Abendmahl seine Mitte genommen“ werde. In der Tat hat sich der urchristliche Brauch einer Agape, eines Gemeinsamkeit stiftenden Essens, mancherorts so stark in den Gottesdienst hinein- (oder der Gottesdienst in den Speisesaal hinaus-)geschlichen, daß irgendwelche Anzeichen für welche Glaubensinhalte auch immer – und es muß nicht immer gleich die Realpräsenz sein – nicht mehr zu erkennen waren. Dem weiteren Glaubens- wie Bekenntnis-Schwund möchten die Professoren vorbeugen. So erinnern sie an den Gedächtnis- und Verkündigungs-Charakter des Abendmahls und die Notwendigkeit von Glauben, Schuldbewußtsein und Besserungswillen, vor allem auch daran, daß im Abendmahl die Gemeinde sich konstituiert. Dies aber ist altes Glaubensgut, taugt für die ökumenische Diskussion ebenso wie für die innerprotestantische (und innerkatholische). Paulus war da strenger: „Wer den Leib des Herren nicht unterscheidet von gewöhnlicher Speise, der ißt und trinkt sich das Gericht.“ Eine neue Bibel und eine Brille der dpa-Redaktion zur Jahreswende – keine schlechte Geschenkidee. Sie muß ja diesmal gar nicht aus Platin sein. HJH