Für Touristen hat das neue Medium „Bildschirmtext“ bislang noch keine praktische Bedeutung. Aber intern kann es der Reisebrauche nützen.

Bildschirmtext (Btx) ist ein relativ teures Vergnügen, auf den Testmärkten hat es entsprechend wenig Gegenliebe gefunden. Das Reisebüro kann Btx beispielsweise vorläufig nicht ersetzen. Aber für die brancheninterne Kommunikation kann das neue System Vorteile bringen – quasi als Ersatz für einen firmeneigenen Computeranschluß. Die beiden größten deutschen Reiseveranstalter TUI und NUR haben erklärt, daß sie vorerst ihre Produkte nicht über Bildschirmtext für den Endverbraucher direkt buchbar machen wollen. Der wesentliche Grund ist dann zu suchen, daß ihnen der Nutzen der direkten Btx-Buchungen als zu gering erscheint, um sich dafür mit den Reisebüros, die ja zumindest teilweise ausgeschaltet werden würden, zu überwerfen. Wenn auch jeder die Notwendigkeit erkennt, das eigene Unternehmen auf die Zeiten mit Btx vorzubereiten, um nicht plötzlich ins Hintertreffen zu geraten, so muß nach den heutigen Erkenntnissen sehr stark bezweifelt werden, daß der Vertrieb über Btx wirklich kostengünstiger ist als die Zahlung der Provision an die Reisebüros.

Die Pauschalreise-Veranstalter werden aber ihre Angebote für die Reisebüros buchbar machen. Das Reisebüro kann über Btx klären, welche Reisen noch buchbar sind und auch die Reservierung für den Kunden vornehmen. Speziell bei kurzfristigen Angeboten (freie Flugplätze etc.) wäre das im Vergleich zur telephonischen Anfrage, zum Verschicken von Vakanzlisten und Sonderangeboten schneller und preiswerter.

Für die TUI würde das lediglich eine Ergänzung ihres bereits computerisierten Verkaufs darstellen. Seit Jahren ist ihren Agenturen all das über das Branchensystem START viel schneller möglich. Neben den TUI-Produkten sind über START die Bundesbahn, die Lufthansa und weitere internationale Fluggesellschaften, Teile des DER-Programms, Versicherungen und neuerdings Fähren buchbar. Die umsatzstärksten Reisebüros, überwiegend TUI-Verkäufer, sind bundesweit an dieses System angeschlossen. Die anderen großen Reiseveranstalter sind an START beteiligt. Reisebüros müssen NUR-, ITS- oder sonstige Veranstalterangebote meist per Telephon buchen. Dank Btx und des Fernsehgeräts könnten auch Agenturen ohne START-Terminal an die elektronische Reservierung angeschlossen werden, das Postsystem arbeitet allerdings langsamer und mit weniger Datensicherheit.

Für alle anderen Veranstalter, auch rein regional oder gar lokal operierende, Kann Btx einen kostengünstigen Vertrieb bieten. Gegenüber dem Branchensystem START ist allerdings ein entscheidender Nachteil nicht übersehbar. Niemand würde auf die Idee kommen, über das heutige Btx-System eine Fahrkarte oder ein Flugticket per Drucker ausstellen zu lassen. Neben der viel zu geringen Übertragungsgeschwindigkeit

(Abrechnung nach Zeit wie beim Telephon) mangelt es an der Datensicherheit zum Ausdruck solcher Dokumente. Bei START hingegen werden Reisebestätigungen, Rechnungen, Quittungen und Versicherungspolicen ebenso selbstverständlich ausgedruckt wie Platzkarten, Fahrkarten und komplizierte internationale Flugscheine.

Aber nicht nur Reiseveranstaltern, sondern allen touristischen Anbietern wie Hotels, Fluggesellschaften, Reedereien und natürlich den in- und ausländischen Fremdenverkehrsorten könnte Btx im Vertrieb nützlich sein – solange es sich um eine geschlossene Benutzergruppe handelt, die maximal 2000 Reisebüros umfaßt. Meist wird die Zahl allerdings erheblich darunter liegen.