Wenn spätere Generationen, vorausgesetzt, sie hab en noch Gelegenheit dazu, in den Annalen nachschlagen, was hier und heute so gewesen ist, dann werden sie über das Jahr 1983 nicht nur erfahren, daß es das Jahr vor 1984 war, sondern auch das noch: Es war – heißer Herbst hin, Nachrüstung her – "das Jahr, in dem die scheue Prinzessin zu königlicher Hoheit erblühte".

Die gute alte Times, auf deren Lektüre, wie dieses Beispiel wieder einmal zeigt, keiner verzichten kann, der schon heute wissen will, was dereinst in den Geschichtsbüchern stehen wird, hat mit der sechsspaltigen Zeile, die sie zur Jahreswende einem königlichen Reifeprozeß widmete, in letzter Stunde verhindert, daß das alte Jahr einen schlechteren Abschied erhielt, als es verdient hat.

Nein, so übel, wie aus weniger gut informierten Kreisen voreilig verlautet, war das Jahr 1983 nicht. Was immer es an Unerfreulichem mit sich brachte, hat es mehr als wettgemacht, indem es eben dieser erfreulichen Erscheinung zum endgültigen Durchbruch verhalf, auf die die Times nun zu Recht die volle Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit lenkt – und wovon, geben wir es ruhig zu, in den Spalten dieser unserer Hamburger Wochenzeitung bislang verdammt wenig Notiz genommen wurde.

Was hier versäumt wurde, ist nicht auf die schnelle nachzuholen. So müssen vorerst ein paar Stichworte genügen, wo eigentlich eine breite Darstellung am Platze wäre. Lieber kurz als gar nicht sei deshalb mitgeteilt, daß die Prinzessin von Wales, ehemals Lady Di, in diesem Jahr ihre Stellung als "Medien-Marktführer des Planeten" nicht nur gefestigt, sondern – was weit wichtiger ist, schreibt die Times, und darin kann man ihr nur zustimmen – "überlebt" hat.

Dies ist, und das soll nun auch nicht länger heruntergespielt werden, einfach die schönste Nachricht des Jahres: Die Prinzessin ist flügge geworden. Flügel seien ihr gewachsen, sagt die Times, die sie befähigen, nunmehr ein für voll genommenes Mitglied der königlichen Familie zu sein, nicht mehr nur dekorativer Junior-Partner in Schwiegermamas "Firma". Sogar mit der Pressemeute zu leben, habe sie gelernt, sagt sie selber, wenngleich es verfrüht wäre zu behaupten, daß sich nun umgekehrt die Journalisten vor ihr fürchten.

Die Prinzessin ein Profi des königlichen Gewerbes – wer hätte das je von ihr gedacht? Eine kaum glaubliche Wandlung. Hierzulande, wo man sich allen Postillen des Regenbogens zum Trotz doch mehr auf Kaiser Franz als auf Kaiser Wilhelm versteht, kann man, was da passiert ist, allenfalls an diesem kühnen Vergleich begreiflich machen: Es ist, als habe ein gewisser Herr Schatzschneider sich beim HSV durchgesetzt.

Nur mit Fleiß kann man es so weit bringen. Mit 45 selbständig wahrgenommenen öffentlichen Verpflichtungen rückte die Prinzessin von Wales im Jahre 1983 auf den zweiten Tabellenplatz in der Liga von Windsor, knapp hinter Ehemann Prinz Charles, der mit 52 Punkten führt. Über weitere sieben Organisationen, von der Waliser Handwerkskammer bis zum Jugendverband der Britischen Rot-Kreuz-Gesellschaft, übernahm sie 1983 die Schirmherrschaft. Sie eröffnete sechs Krankenhäuser, ein Einkaufszentrum und eine Brücke, wurde Ehrenmitglied bei den Kolonialwarenhändlern, besuchte eine Spielzeugfabrik in Peterlee, eine Neubausiedlung in Glasgow und eine Marmeladenfabrik in Dundee. Ungezählt die Termine, die ihr die liebsten sind: bei den ganz Jungen, den ganz Alten und den Kranken im Lande.