/ Von Irene Mayer-List

Ein mächtiges Kartell zu beherrschen, verpflichtet. Harry Oppenheimer, Herr über die ertragreichsten Diamantenminen der Welt, scheint sich das zu Herzen zu nehmen. Eigentlich wollte sich der 75jährige Industriemagnat, der über seinen südafrikanischen De Beers-Konzern rund achtzig Prozent des internationalen Diamantenmarkts kontrolliert, schon längst zur Ruhe setzen. Eine schwere Krise zwang ihn, weiter in seinen eleganten Chefbüros in Johannesburg, London und dem südafrikanischen Diamantenstädtchen Kimberley auszuharren.

Vor drei Jahren nämlich munkelte so mancher Händler, daß es mit der Macht des Oppenheimer-Imperiums endgültig vorbei sei: Die Börsenkurse des Konzerns fielen drastisch, in den Diamantenzentren von New York, Antwerpen und Tel Aviv gerieten die Preise für die wertvollen Klunker ins Trudeln, und einige Digger weigerten sich, ihre Funde beim Verkaufskartell von De Beers weiter abzuliefern. Die Zeiten, in denen das Unternehmen mit dem Verkauf der glitzernden Steine noch knapp drei Milliarden Dollar Umsatz in einem Jahr machte – und als Konzerngruppe einen stattlichen Gewinn von mehr als einer Milliarde Dollar verbuchte schienen endgültig vorbei.

Doch Harry Oppenheimer ein liebenswürdiger grauhaariger Herr und passionierter Pferdezüchter – kann sich wahrscheinlich schneller aus seinen Büros verabschieden, als mancher es erwartet hätte. In den vergangenen zwölf Monaten bewies der Südafrikaner, daß sein Monopol den legendären Industriekartellen des neunzehnten Jahrhunderts an Macht in nichts nachsteht.

Nicht nur die abtrünnigen Produzenten von Rohdiamanten kehrten brav ins Verkaufskartell von De Beer? zurück; auch die Händler in den Diamanten-Zentren mußten sich dem Diktat des mächtigen südafrikanischen Konzerns beugen. Für die Juwelierskundschaft aber kann das nur eines bedeuten: Die Preise für funkelnde kleine Brillantenkolliers, die in den vergangenen Jahren deutlich heruntergegangen sind, dürften 1984 wieder steigen.

Zu einem Preisboom wie Ende der siebziger Jahre, als De Beers erstmals seinen Einfluß über den Diamantenmarkt verlor, wird es allerdings so schnell nicht wieder kommen. Wer damals einen lupenreinen Einkaräter für hunderttausend Mark kaufte, muß sich heute leicht düpiert vorkommen: Der Stein ist höchstens noch die Hälfte wert und wird auch so schnell nicht mehr für den alten Preis zu verhökern sein.