Wie sechs Abschiebe-Häftlinge im Gefängnis elend umkamen

Von Joachim Nawrocki

West-Berlin, im Januar

Den vernünftigsten Satz nach dem Tod von sechs Ausländern in einer brennenden Haftzelle sprach der SPD-Abgeordnete Momper. Er kritisierte zwar die katastrophale Unterbringungs- und Personalsituation in der Abschiebehaft, aber er warnte zugleich vor voreiligen Schuldzuweisungen. Gewiß ist das Schicksal der sechs Brandopfer furchtbar, aber ihren Tod durch ein Feuer, das sie offensichtlich selbst gelegt haben, in einen direkten Zusammenhang mit der "Abschreckungspraxis von Innensenator Lummer gegenüber Asylbewerbern" zu bringen, wie es die Alternative Liste tat, das ist sicherlich eine zu vordergründige Reaktion. So einfach liegen die Dinge nicht in einer Stadt, die durch ihren unkontrollierbaren Zugang aus Ost-Berlin von Asylbewerbern, illegalen Zuwanderern und Asylbewerbern, weit mehr belastet wird als andere Bundesländer.

Was ist geschehen? In West-Berlin gibt es drei Gewahrsamsstätten für die Abschiebehaft mit zusammen 200 Plätzen: in der Kruppstraße, in der Gothaer Straße und am Augustaplatz; im Gewahrsam sind dort etwa hundert Personen. In der Haftanstalt Augustaplatz waren von 54 Plätzen 42 belegt; es gab also keine Überbelegung, obwohl die Zahl der Abschiebungen sich 1983 mit rund 1400 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hat. In zwei der vier belegten, nicht miteinander verbundenen Zellen brach in der Silvesternacht kurz nach 21 Uhr fast gleichzeitig ein Feuer aus. Zu der Zeit taten in der Anstalt vier Polizisten Dienst.

Der Alarm kam zu spät

Der Beamte, der das Feuer zunächst in einer Zelle bemerkte, versuchte mit einem Feuerlöscher die brennenden, aufgestapelten Matratzen zu löschen. Er wurde dabei von den Zelleninsassen durch die Gittertür mit Fäusten bedroht und durch eine vor die Tür gehaltene Matratze behindert; dennoch konnte er die Flammen löschen. Danach bemerkte er das zweite Feuer in der anderen Zelle. Wegen der Qualm- und Hitzeentwicklung kam er jedoch an die Gittertür nicht mehr heran; sie war zudem von innen mit einem Handtuch verknotet.