Ronald Howroyd, Manager der Eagle Star, schrieb vor Weihnachten einen erbosten Brief an die Londoner Times. Er beklagte sich bitter über die "Auktion", welche die Münchner Allianz-Versicherung und der britische Tabakkonzern BAT um die Übernahme der Eagle Star Versicherungsgesellschaft (ZEIT Nr. 51) veranstalteten. "Kann es denn richtig sein, daß Angestellte wie ich selbst, die durch unsere über Jahre erworbenen Pensionsrechte an die Gesellschaft gekettet sind, keine Stimme haben, wenn es darum geht, daß unsere Fähigkeiten und Talente, unser Einsatz und unsere Treue wie Vermögensrechte an den Meistbietenden verkauft werden?"

Er beantwortete die Frage selbst: Es sei ein rechtlicher Anachronismus, daß die Aktionäre so traditionsreiche Unternehmen ohne jede Konsultation mit dem Management, den Kunden und der Belegschaft veräußern könnten.

Der Protest des Managers war vergeblich. Als der Brief am 31. De-

zember an prominenter Stelle in der Times erschien, war das Rennen so gut wie gelaufen. Die beiden Kontrahenten, die ihr endgültiges Angebot am Vortag hätten abgeben sollen, hatten sich geeinigt, das letzte Duell abzusagen. Die Tabak-Herren legten noch einmal 25 Pence zu, und die Allianz versprach auszusteigen und ihr Paket von dreißig Prozent der Eagle-Star-Aktien zum neuen Übernahmekurs von 700 Pence an BAT zu verkaufen. Allerdings machte sie den Vorbehalt, daß bis zum 18. Januar nicht noch höhere Gebote kommen dürften.

Schaltet man diesen wenig wahrscheinlichen Fall einmal aus, dann ist die "Auktion" um Eagle Star jetzt tatsächlich zu Ende. Sie begann am 19. Oktober, als die Allianz mit einem Gebot von 500 Pence je Aktie zur vollständigen Übernahme des sechstgrößten britischen Versicherers ansetzte. Zwei Wochen später wurde die BAT zum Mitbieter. Die Konkurrenten reizten den Preis der Aktie in sieben Schritten schließlich auf 700 Pence hoch. In zweieinhalb Monaten stieg die Bewertung von Eagle Star von knapp 2,77 Milliarden auf fast 3,88 Milliarden Mark.

Die Allianz mußte letztlich aus mehreren Gründen passen: Die Münchner wollten eigentlich nur eine Minderheitsbeteiligung, die ihnen aber einen entscheidenden Einfluß auf die Geschäftspolitik von Eagle Star geben sollte. Sie strebten deshalb nicht mehr als fünfzig Prozent an, denn sie wollten auch ihre Kasse schonen. Allein, die Londoner Börsenregeln erzwangen die Offene für das gesamte Kapital, nachdem die magische Schwelle einer Beteiligung von dreißig Prozent erreicht war und der widerspenstige Vorstand von Eagle Star eine Vertretung der Allianz in ihren Gremien verweigerte. Die Münchner mußten lernen: Die in Deutschland häufig anzutreffende Verflechtung und Verschachtelung von Unternehmen und der Erwerb faktischer Kontrolle auf Basis einer wesentlichen Minderheitsbeteiligung – das gibt es in Großbritannien, Wo die Börse eine größere Rolle spielt, so gut wie nicht. Die Funktionen sind hier immer noch stärker getrennt.

Bei jedem neuen höheren Gebot wurden die Münchner zaghafter. Sie zögerten die Termine hinaus. Und der für das Auslandsgeschäft zuständige Detlev von der Burg meinte als Erklärung: "Auf 3000 Meter Höhe macht man keinen Dauerlauf mehr." Langsam kamen aber auch Zweifel, ob es sich lohnte, so viel Geld in ein einziges Unternehmen und einen einzigen Markt zu investieren. Die Idee, mit dem Mitbieter Halbe-Halbe zu machen, wurde jedoch von dem BAT-Vorsitzenden Patrick Sheehy zurückgewiesen.