Als sich Friedrich Karl Flick entschloß, zur Jahreswende 1975/76 neunundzwanzig Prozent des Daimler-Benz Kapitals an die Deutsche Bank zu verkaufen, tat er dies in der Erwartung, den Buch-Gewinn – immerhin 1,9 Milliarden Mark – nicht voll versteuern zu müssen. In den folgenden Jahren kam noch mehr von dieser Art hinzu, denn Flick verkaufte 1977 und 1978 die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte – kurz Maxhütte genannt – an die Klöckner-Werke. Buchgewinn: rund 200 Millionen Mark.

Von diesen insgesamt 2,1 Milliarden Mark wurden rund zwei Drittel so wieder angelegt, daß eine Besteuerung unterblieb. Insgesamt 460 Millionen Mark flossen den Konzerngesellschaften Buderus, Dynamit Nobel, Feldmühle und Projektierung Chemische Verfahrenstechnik (PVC) zu, mit denen dort umfangreiche Investitionsprogramme finanziert wurden. Dafür gab es Steuerbefreiung nach Paragraph 6 b des Einkommensteuergesetzes.

Für weitere 208 Millionen Mark erwarb Flick sechsundachtzig Prozent der Anteile an der Versicherungs-Holding der Deutschen Industrie (VHDI), die wiederum mit einundfünfzig Prozent am Gerling-Konzern beteiligt ist. Auch hierfür gilt die Begünstigung nach Paragraph 6 b.

Schließlich suchte Flick sein Glück im Ausland und kaufte in zwei Tranchen für 820 Millionen Mark 25,1 Prozent des Kapitals der US-Firma W. R. Grace & Co. New York. Für 750 Millionen Mark wurde die Steuerbegünstigung nach Paragraph 4 des Auslandsinvestitionsgesetzes gewährt. Den überschießenden Betrag mußte Flick versteuern. Kein Glück hatte er mit einer weiteren Beteiligung in den USA: Der Kauf von 34,5 Prozent des Aktienkapitals der US Filter Corporation für 210 Millionen Mark fand vor den Augen des Bundeswirtschaftsministeriums keine Gnade. Die Steuervergünstigung wurde verweigert.

Flick hat also einschließlich der jetzt angefochtenen Begünstigung für den Grace-Erwerb gut 1,4 Milliarden Mark steuerbegünstigt wieder angelegt. Für rund 700 Millionen Mark ist die volle Steuer fällig geworden.