Die Sieger von 1983 sind Frauen. Die Sieger von niemals, die Männer, sind lächerlich geworden. Sie verzehren sich im Liebeswahnsinn. Sie flehen um Treue. Manchmal tritt ihnen die in Leder gekleidete Domina mit dem Stiefel sanft in den Bauch. Die Männer sind Opfer, kaum noch bedauernswerte, vor allem verächtliche Produkte ihrer eigenen Phantasien von Weiblichkeit und Erotik.

Das ist die Botschaft zweier der erfolgreichsten Filme des vergangenen Jahres: „Carmen“ und „Die flambierte Frau“. Laura del Sol, die spanische Tänzerin, und Gudrun Landgrebe, der neue Stern am dauerhaft bedeckten deutschen Schauspielerhimmel, sind, was längst fällig war: die neue Frau. Nicht Emma hat sie geboren und nicht die ehrbaren Schwestern vom Heiligen Geist der Frauenemanzipation, sondern die alte Lust, das alte Elend, die alte, schöne Verwirrung der Gefühle.

Nicht die tapfere Hanna Schygulla, die redlich sich mühende Germanistik-Dozentin in Margarethe von Trottas Film „Heller Wahnsinn“, nicht dieses schönblickende Denkmal härener Befreiungsarbeit ist die Heldin unserer Tage, sondern das wilde Weib, das erotische Monstrum, die Frau, das unbekannte Wesen. Sie zeigt ihre Erotik, nicht ihren Kopf, denn daß sie intelligent ist, versteht sich von selbst. Sie sucht das Abenteuer der Gefühle, nicht die Verstandeskarriere, denn deren Ödnis hat sie durchschaut. Ihr Operationsfeld ist nicht das Normale, sondern die Sehnsucht, und hier erringt sie ihre Siege, mit kaltem Kalkül und sanfter Gewissenlosigkeit.

Niemand hätte den Filmen von Carlos Saura und Robert Van Ackeren einen solchen Erfolg vorhergesagt. Rund eine Million deutscher Kinogänger haben sie gesehen. Der Umstand, daß viele Frauen in Carmen ihr neues Idol erblicken, hat die Feministinnen erbost, verständlicherweise, und doch aus falschen Gründen. Der beklagte Rückfall in den Weiblichkeitswahn findet in diesen Filmen nicht statt. Sie handeln von der Anarchie der Leidenschaft, in der unterliegt, wer sich an die alten Ordnungen klammert: der Mann. Die siegreiche Frau (und Carmens Tod ist bei Saura äußerster Ausdruck des männlichen Desasters) ist die Frau der Post-Emanzipation: flambiertes Eis. Gm.