Daß nur Wirtschaftswachstum, also immer weiter steigende Produktion und ständig zunehmender Verbrauch, mehr Wohlstand und Lebensqualität garantiert, gilt auch heute noch bei der Mehrzahl der Unternehmer, Gewerkschafter und Politiker als unumstößliches Dogma. Wer es anzweifelt, ist ein linker, grüner oder Spinner im Zweifel alles gleichzeitig.

Wie unsinnig und altmodisch diese Denkweise ist, läßt sich am Beispiel des Energieeinsatzes zeigen. Lange Zeit galt es als ausgemacht, daß Lebensstandard und Energieverbrauch nur parallel steigen. Der Energieeinsatz je Kopf der Bevölkerung – vor allem in Form von Elektrizität und Mineralöl – wurde sogar als Indikator für den Entwicklungsgrad eines Landes herangezogen.

Nun erleben wir seit Jahren, daß der gesamte Energieverbrauch in der Bundesrepublik sinkt. Nach Berechnungen von Esso hat der Mineralölverbrauch 1983 erstmals seit fünfzehn Jahren wieder die Grenze von hundert Millionen Tonnen unterschritten. Seit 1979 ist er insgesamt um 25 Prozent gesunken. Geht es uns deshalb sehlechter? Nein, Bei rationellerem Einsatz kann sinkender Verbrauch sogar mit steigendem Lebensstandard einhergehen. Das gilt sieht nur für den Energieeinsatz. mj