Von Hermann Bößenecker

Als „haltloses Gerede“ tat Konzernherr Friedrich Karl Flick im Mai vergangenen Jahres Spekulationen ab, er wolle sich von einzelnen seiner Unternehmen oder gar vom ganzen Konzern trennen. Doch zumindest über eine der zum Flickschen Herrschaftbereich gehörigen Firmen gibt es ernsthafte Überlegungen mit dem Ziel eines möglichen Besitzwechsels: Die letzte bayerische Flick-Dependance hat anscheinend für die heutige Führungsmannschaft in der Düsseldorfer Konzernzentrale an Attraktivität verloren.

Vor gut zwanzig Jahren war dem alten Konzernschmied Friedrich Flick ein spektakulärer Auftrag auf den Gabentisch zum 80. Geburtstag gelegt worden: Die Flick-Enkeltochter Krauss-Maffei wurde Generalunternehmer für den Kampfpanzer Leopard. Nach zwei Jahrzehnten avancierte die einstige Lokomotivenfabrik zur Panzerschmiede der Nation und der Nato. Bisher haben rund 5200 Panzer der Typen Leopard 1, Gepard (Flakpanzer) und Leo 2 die Endmontage in München-Allach verlassen.

Der Panzer-Vorstoß in Milliarden-Umsätze hat der Flick-Firma zu einem technischen Potential und einem Know-how verholfen, die ihresgleichen suchen. Allerdings bringt der Rhythmus der Panzeraufträge schwankende Umsätze und Erträge und damit schwer kalkulierbare Risiken mit sich.

Krauss-Maffei hat zeitweise am Panzergeschäft exzellent verdient, in anderen Jahren mußte Flick jedoch für beträchtliche Verluste aufkommen, die zwar ausschließlich von den zivilen Produktsparten herrührten, aber vor allem dann Löcher in die Ertragsrechnung rissen, wenn die profitablen Panzerauftäge ausblieben und in der Wehrtechnik noch zusätzliche Stillstandskosten verkraftet werden mußten. Im Mai 1982 verwies Krauss-Maffei-Chef Hans-Heinz Griesmeier darauf, daß Flick in den zurückliegenden fünf Jahren nicht weniger als hundert Millionen Mark für Wertberichtigungen und Rückstellungen in das Münchner Unternehmen gesteckt hat.

In München und in Düsseldorf hat man inzwischen wohl erkannt, daß Flick selbst mit dieser größzügig dotierten technologischen Sparbüchse eigentlich nur relativ wenig anfangen kann. Krauss-Maffei mit seiner heutigen Produktstruktur und seinem Marktprofil paßt nicht mehr in den Flick-Konzern.

An Interessenten für Krauss-Maffei fehlt es offenbar so wenig wie an der grundsätzlichen Bereitschaft Ficks, sich zu einem guten Preis von der Enkeltochter zu trennen, die Mitte der fünfziger Jahre mit der Zwischenholding Buderus unter das Konzerndach gekommen war. Über den Preis aber klaffen die Vorstellungen weit auseinander.