DIE ZEIT

Politik mit der Dampfwalze

Nach einem monatelangen verbalen Trommelfeuer wird es jetzt ernst: Bis Ende Februar müssen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften am Verhandlungstisch über die künftige Gestaltung der Arbeitszeit einigen.

Im Wartesaal der Geschichte

Man kann es verstehen, wenn unsere Nachbarn sich vor dem Aufbruch der deutschen Seele fürchten: Zwischen zwei und drei Millionen Deutsche strömten im vergangenen Herbst auf den Straßen der Bundesrepublik zusammen oder versammelten sich zu Tausenden in den Städten, um für Frieden zu demonstrieren.

Worte der Woche

„Reagan vermag nicht zu erkennen, daß die sozialen Unruhen in Mittelamerika seit 50 Jahren gegenwärtig sind – seit einer Zeit, als die sowjetische Revolution noch ums Überleben kämpfte und die kubanische Revolution nicht einmal existierte.

Zeitspiegel

Grigorij Alexandrowitsch Potemkin, russischer Reichsfürst, ließ vor zweihundert Jahren in aller Eile Dörfer aufbauen und zum Scheine bevölkern, um Katharina II.

Vierer-Gruft

In China kommt der „Große Steuermann“ Mao Tse-tung wieder zu Ehren. Parteichef Ho Yaobang feierte den 1976 gestorbenen Gründer der Volksrepublik, der am 26.

Sprechverbot

Der Oberstleutnant a. D. und Friedensforscher Alfred Mechtersheimer hat den Aufruf von Günter Grass zur „Wehrkraftzersetzung“ mitunterzeichnet – ein schlimmes Papier, mit dem die Soldaten der Bundeswehr als Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst abgestempelt wurden.

Weltbürger

Geboren wurde er in Moskau, ab Sohn eines deutschen Kaufmanns – und das Thema Rußland hat ihn nie losgelassen. Im Kriege verschlug es ihn nach Shanghai – und China wurde die zweite Leidenschaft seines Journalistenlebens.

Antiterror

Die Beziehungen zwischen Spanien und Frankreich waren noch nie herzlich. Seit sich Madrid um den Beitritt zur EG bemüht, sind sie ausgesprochen schlecht, weil Paris den Agrar-Konkurrenten fürchtet.

Westberliner Skandal: Der Feuertod in der Zelle

Den vernünftigsten Satz nach dem Tod von sechs Ausländern in einer brennenden Haftzelle sprach der SPD-Abgeordnete Momper. Er kritisierte zwar die katastrophale Unterbringungs- und Personalsituation in der Abschiebehaft, aber er warnte zugleich vor voreiligen Schuldzuweisungen.

Wolfgang Ebert: Schnee von gestern

„Was glauben Sie wohl, wer direkt vor uns saß, als wir uns in einer Nachtvorstellung den Pornostreifen ‚Engel sind nackt am schönsten‘ ansahen? Innenminister Zimmermann mit Familie, natürlich vermummt.

Taiwan: Sirenentöne vom Festland

Kaohsiung ist die größte Industriestadt Taiwans und der fünftgrößte Containerhafen der Welt. Viel Geld wird hier verdient, Arbeit ist die Hauptattraktion der aus dem Boden gestampften 1,3-Millionen-Metropole im Südwesten Formosas.

Der schwarze Fleck: Apartheid gegen ein Dorf

Als es Nacht wurde in Mogopa am 28. November 1983, dem letzten Abend vor der erwarteten Zerstörung des Dorfes durch südafrikanische Polizei, versammelten sich Kirchenführer aus dem ganzen Land unter dem Baum auf dem Dorfplatz.

Tunesien: Brot-Unruhen

Präsident Bourguibas Regierung mußte ihre Sozialausgaben reduzieren; sinkende Erdölpreise und abnehmende landwirtschaftliche Erträge haben die Wirtschaft des Landes erschüttert.

BONNER BÜHNE: Flinke Begriffe, zähe Realität

Der eine sieht „apokalyptische Reiter am Horizont“, die drohende atomare Katastrophe, die Geißel des Hungers. Der andere blickt auf ein „gutes Jahr für Amerika zurück“ und verkündet in ungebrochenem Geschichtsoptimismus: „In Grenada haben wir eine Nation befreit.

Frankreich: Die Schnüffelflugzeuge

Eine Komödie ist es, die noch tragisch enden kann, diese Geschichte von den „Schnüffelflugzeugen“, mit der die französischen Medien das Feiertagsloch stopften.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die „de facto“-Nachrüstung in Westeuropa hat begonnen. Seit der Silvesternacht sind die ersten neun Pershing-II-Raketen auf dem US-Stützpunkt Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd sowie 16 Cruise-Missiles auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt Greenham Common einsatzbereit.

Angola: Südafrikas Offensive

Die südafrikanische Militärführung begründet ihr Vorgehen ausschließlich als Schlag gegen die vom südlichen Angola aus operierenden Swapo-Einheiten.

Autonome und Realjournalisten

Schon am Heiligen Abend verabschiedete sich die alternative tageszeitung für den Rest des Jahres von ihren Lesern. Dem nüchternen Hinweis auf der Titelseite, zwischen Weihnachten und Neujahr werde es keine taz geben, folgte ein fröhliches Motto: "Im neuen Jahr mit neuem Schwung!" Der muntere Spruch schien auf einen geruhsamen Weihnachtsurlaub der Redaktion hinzuweisen.

Stadtgeschichte: Der Imagepflege im Weg

Erhart Dettmering, Pressesprecher des Marburger Magistrats, beschäftigt sich seit November 1982 öffentlich mit der Bewältigung brauner Stadtgeschichte.

Tadel: Durch die Brille

In dem Eifelstädtchen Daun fand vor kurzem eine ungewöhnliche „Großkundgebung“ statt. Der Deutsche Naturschutzring und die Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ fühlten sich unter dem Motto „Rettet die Schildkröten“ der rheinland-pfälzischen Provinz verpflichtet.

Amtsrichterin Stefanie Haese: Lob irritiert sie nicht

Sie hat das Urteil – vier Monate Gefängnis – noch einmal zur Bewährung ausgesetzt. Ganz wohl ist ihr dabei nicht. Immerhin steht der Angeklagte schon zum viertenmal wegen Trunkenheit am Steuer vor Gericht.

Der Boom geht weiter

Das vergangene Jahr war zumindest an der Börse ein Jahr des Aufschwungs und der Rekorde. Die Aufwärtsbewegung hatte sich allerdings schon vor dem Bonner Regierungswechsel angekündigt: Seit August 1982 befinden sich die Kurse deutscher Aktien im steten Steigflug.

Telephon-Gebühr: In Ordnung

Die simple Mitteilung, daß das Telephonieren aus Telephonzellen demnächst dreißig Pfennig kosten soll, einen Groschen mehr als in den vorangegangenen 34 Jahren, hat erstaunliche Reaktionen hervorgerufen.

Kraftwerke:: Eigenlob

Sie sind es wohl leid, als Buhmänner im Umweltschutz dazustehen: Seit einigen Monaten tun die Manager der deutschen Kraftwerke alles, um zu dokumentieren, daß sie zu Musterschülern geworden sind.

Autobahn-Gebühr: Papierkorb

In ruhigen Zeiten können Politiker gewiß sein,auch mit unwichtigen oder albernen Vorschlägen öffentliches Aufsehen zu erregen.

Energie: Fortschritt

Daß nur Wirtschaftswachstum, also immer weiter steigende Produktion und ständig zunehmender Verbrauch, mehr Wohlstand und Lebensqualität garantiert, gilt auch heute noch bei der Mehrzahl der Unternehmer, Gewerkschafter und Politiker als unumstößliches Dogma.

Die Flick-Milliarden

Als sich Friedrich Karl Flick entschloß, zur Jahreswende 1975/76 neunundzwanzig Prozent des Daimler-Benz Kapitals an die Deutsche Bank zu verkaufen, tat er dies in der Erwartung, den Buch-Gewinn – immerhin 1,9 Milliarden Mark – nicht voll versteuern zu müssen.

Der Flick-Konzern

Auf dem Umschlag des Geschäftsberichts steht – gedruckt auf hauseigenem Feldmühle-Supercote-Karton Elbe strato silber – wie der Konzern gern genannt werden möchte: „Gruppe Friedrich Flick“, Aber das ist natürlich kein juristischer Begriff, und so klärt dann der erste Satz der „Vorbemerkung“ auf: „Die industriellen Interessen der Gruppe Flick sind in der Friedrich Flick Industrieverwaltung, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Düsseldorf, zusammengefaßt“.

Bonner Flick-Werk

Dank der Schludrigkeit des Wirtschaftsministeriums könnte Flick seinen Steuervorteil behalten

Freier für die Tochter

Als „haltloses Gerede“ tat Konzernherr Friedrich Karl Flick im Mai vergangenen Jahres Spekulationen ab, er wolle sich von einzelnen seiner Unternehmen oder gar vom ganzen Konzern trennen.

Luftfahrtindustrie: Für Airbus wird die Zeit knapp

Betriebsrat und Geschäftsführung waren sich diesmal einig. Je länger Bonn zögert“, sagte Hans-Günther Eidtner, Betriebsratsvorsitzender im Hamburger MBB-Werk, auf der letzten Betriebsversammlung in Finkenwerder, „desto schlechter werden unsere Chancen auf dem Weltmarkt“.

Thyssen: Pech im Unglück

In der Stahlkrise muß der Konzern Riesenverluste der amerikanischen Tochter verkraften

Diamanten: Das Karat-Kartell gewinnt

Ein mächtiges Kartell zu beherrschen, verpflichtet. Harry Oppenheimer, Herr über die ertragreichsten Diamantenminen der Welt, scheint sich das zu Herzen zu nehmen.

Arbeitskräfte auf Abruf

Pfarr: Kapovaz heißt kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit, man sagt auch Arbeitszeit auf Abruf. Der Arbeitgeber schließt mit den Arbeitskräften einen Jahres- oder Halbjahresvertrag ab, daß die Teilzeitkräfte im Laufe einer Woche, eines Monats oder eines Jahres ein bestimmtes Stundensoll erarbeiten, und zwar zur jeweils vom Arbeitgeber festgesetzten Zeit.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Wechsel im Topmanagement ist für ein Unternehmen alles andere als eine Routineangelegenheit. Neue Männer, selbst wenn sie lange demselben Unternehmen angehören, prägen meist einen neuen Stil.

Die Unesco – Finanzen und Projekte

Als die Unesco 1946 gegründet wurde, beteiligten sich 30 Staaten, um international auf den Gebieten der Erziehung, Wissenschaft und Kultur zusammenzuwirken.

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