Die Flick-Affäre spitzt sich zu. Neben den dubiosen Spendenaktionen belastet nun auch die Fehlentscheidung des Wirtschaftsministeriums die Koalition immer stärker.

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Januar

Ulf Merbold, der Nationalheld – das wäre doch ein Thema. Warum denn schon wieder die Flick-Affäre beleuchten? Die Mehrzahl der ARD-Chefredakteure, jedenfalls die christdemokratischen, hätte statt Flick lieber den Supermann des Jahres 1983, den deutschen Weltraumfahrer, in der ersten aktuellen Fernsehsendung des Jahres „Im Brennpunkt“ vorgestellt. Am Ende haben sie nachgegeben. Aber eine demokratie- und parteienkritische Sendung zum Jahresauftakt, noch dazu mit Hans Magnus Enzensberger und dem engagierten Kritiker des Flick-Handels, dem SPD-Abgeordneten Dieter Spöri – das vermieste ihnen einfach die Stimmung.

Helmut Kohl wird das ähnlich sehen. In schönen Farben haben der Kanzler und sein Vize Hans-Dietrich Genscher in Neujahrsbotschaften ausgemalt, wie sie sich den Start der Regierungskoalition ins Jahr 1984 wünschen: ein Jahr der rosigen technologischen Zukunft und des munteren Ost-West-Dialogs. Wenn es bloß diese verflixte Flick-Affäre nicht gäbe.

Öffentlich mogeln sie sich noch, so gut es geht, darüber hinweg. Aber der Ballast, den Kanzler und Vizekanzler ins neue Jahr mitschleppen, drückt beide schwer. Erst recht, seit Wirtschaftsminister Lambsdorff, nach der Anklage wegen Bestechlichkeit, nun auch noch entschieden hat, daß Flick die Steuern zurückzahlen muß, die ihm nach einem Verkauf von Mercedes-Aktien erlassen worden waren, weil er mit dem Erlös eine Beteiligung an dem amerikanischen Unternehmen W. R. Grace erworben hatte. Das Haus Lambsdorffs hat sich bei dem Steuer-Erlaß nicht gerade mit Ruhm bekleckert, und die Flick-Affäre weitet sich somit aus.

Ohnehin ist Helmut Kohls Kalkül bisher nicht aufgegangen. Der Kanzler hat wohl zu lange gehofft, das Problem Lambsdorff regele sich irgendwie von allein. Aber der Graf will bleiben. Kohl wiederum wollte ihm nicht empfehlen zurückzutreten. Schon gar nicht hätte Hans-Dietrich Genscher seinem Parteifreund Lambsdorff dies zu empfehlen gewagt