Der Wechsel im Topmanagement ist für ein Unternehmen alles andere als eine Routineangelegenheit. Neue Männer, selbst wenn sie lange demselben Unternehmen angehören, prägen meist einen neuen Stil. Wachablösungen werfen denn auch ein Licht auf Unternehmensleitung und Aufsichtsorgane. Die wahre Größe eines Managers zeigt sich am Ende auch bei seinem Abgang.

Programmiert ist der Wechsel, wenn die Pensionsgrenze erreicht ist. Insoweit läuft bei Grundig seit zehn Jahren das falsche Programm. Der nun 75jährige Max Grundig, Symbolfigur des deutschen Wirtschaftswunders, hatte zwar mehrfach den Rückzug aus dem aktiven Geschäft angekündigt, doch die von ihm selbst gekürten Topmanager scheiterten stets an dem eigenwilligen Firmeneigner. So manövrierte Grundig sein Unternehmen in eine Krise. Im April 1984 muß Grundig nun sein Lebenswerk in andere Hände geben: Der niederländische Philips-Konzern, schon jetzt mit gut 24 Prozent bei Grundig beteiligt, übernimmt das Ruder.

Personalentscheidungen scheinen in der Eindhovener Philips-Zentrale noch nicht gefallen zu sein. Als sicher gilt lediglich, daß nicht der seit drei Jahren amtierende Vorsitzende der Geschäftsführung der Allgemeinen Deutschen Philips Industrie in Hamburg, Hermann Koning, die neue Tochter unter seine Fittiche nimmt.

Verspätet und offensichtlich auch nicht ganz nach Plan läuft der Wechsel beim Stuttgarter Elektro-Konzern Bosch. Hans L. Merkle, seit dem 1. 1. 1984 im zweiundsiebzigsten Lebensjahr, will nun endlich Abschied von der Macht nehmen. Zwar ist der Nachfolger gefunden. Doch der 57jährige Marcus Bierich wird noch bei seinem derzeitigen Arbeitgeber gebraucht. Bierich verwaltet als Finanzchef für die Allianz-Versicherung Kapitalanlagen im Wert von 50 Milliarden Mark. Ein Nachfolger, der gleiche Qualitäten wie Bierich bieten und zudem noch mit Allianz-Chef Wolfgang Schieren harmonieren muß, wurde bislang noch nicht gefunden. Bierichs Vertrag bei der Allianz läuft immerhin noch bis Mitte 1985.

Gut geführte Unternehmen sind eben daran zu erkennen, daß sie bei der Besetzung vakanter Spitzenpositionen auf lang erprobte eigene Leute zurückgreifen können. Die drei führenden Konzerne der deutschen Großchemie sind in dieser Beziehung an Solidität kaum zu überbieten: Wie einem Naturgesetz folgend, tritt einer aus dem Kreis der Vorstandsmanager an die erste Stelle, wie selbstverständlich wechselt der Abgelöste auf den für ihn freigemachten Stuhl des Aufsichtsratsvorsitzenden.

Die dritte Regel, daß in Leverkusen, Höchst und Ludwigshafen stets ein Chemiker das Unternehmen leitet, wird Mitte 1984 zum erstenmal durchbrochen werden: Zu diesem Zeitpunkt wird der 55jährige Diplomkaufmann Hermann-Josef Strenger neuer Bayer-Boß werden. Der seit seiner Ernennung zum stellvertretenden Vorstandschef mit den Weihen des Kronprinzen versehene Sprecher des Geschäftsbereichs Pflanzenschutz und Leiter der Zentralkommission Vertrieb wird dann den 62jährigen Herbert Grünewald ablösen. Dieser wird an Stelle des 73jährigen Kurt Hansen in das Büro des Aufsichtsratsvorsitzenden überwechseln.

Noch ganz nach dem althergebrachten Modell hatte im vergangenen Juli BASF den Machtwechsel an der Spitze der „Großen Drei“ eingeleitet. Dem Chemiker Matthias Seefelder, 63, folgte der Chemiker Hans Alben, 58. Seefelder löste den mittlerweile 74 jährigen Bernhard Timm ab. Die Vorherrschaft der Chemiker könnte auch bei der „Badischen“ bald zu Ende gehen: Mit dem 45jährigen Ronaldo Schmitz, von Ausbildung Diplomkaufmann, steht schon heute ein aussichtsreicher Anwärter auf die Albers-Nachfolge bereit.