Ein Tor, wer meint, nur im fernen exotischen Busch ließe sich Überleben trainieren. Lianen beiseite: Dschungel ist überall. Im Kindergarten und im Keller, im Büro und in der Bar, überall lauern die tückischsten Gefahren.

Nun haben es endlich auch die Survival-Schulen entdeckt: Der Mensch ist des Menschen Feind. Und schon machen sich diese netten, hilfreichen Institute mit Feuereifer daran, uns auch in diesem Daseinskampf beizustehen – wer vermöchte es besser als sie, die uns bereits alle Fährnisse in Sumpf und Wildnis zu überwinden gelehrt haben?

Als bedrohlichstes Phänomen unserer Zeit hat eine Überlebensschule in Hof die „Manipulation“ ausgemacht – klar, Orwells magisches Jahr „1984“ bricht ja wirklich an. Scharfsinnig konstatieren die Hofer Instruktoren in einem Werbe-Flugblatt: „Wir alle werden Tag für Tag ständig manipuliert.“ Das darf natürlich nicht ewig so weitergehen, wer läßt sich schon gern täuschen, foppen, narren, wer will schon Werk- oder auch bloß, Spielzeug hinterlistiger Mitmenschen sein?

Unserem cleveren Survival-Institut ist guter Rat wohlfeil. Es weiß, wie man „aus der Masse der Manipulierten heraustreten“ kann. Diese Schule besitzt das Rezept, wie man „sich davor schützt, übervorteilt zu werden“, sie kennt alle Tricks, wie man „die Schwächen der Gegner nutzt... und seine eigenen Vorstellungen durchsetzt“,

Wohlan denn, auf nach Hof. Doch so einfach ist das gar nicht. Die zweitägigen Seminare, in denen man für lächerliche 400 Mark „Richtig manipulieren“ lernen könnte, sind nichts fürs gemeine Menschenvolk. Wo kämen wir denn da hin, wenn sich jeder zum trickreichen Manipulierer schulen ließe? Ein paar ahnungslose Dumme müssen schon übrigbleiben auf der Welt.

Und so kommt es, daß die Hofer Manipulationskurse nur einem ganz auserwählten Zirkel offenstehen: den „angehenden Nachwuchs- und Führungskräften“, wem sonst.

Isolde von Mersi