Die Horror-Show, die per Video über den heimischen Bildschirm flimmert, macht nicht nur Pädagogen Sorgen. Seit sich Kinder zu „Dauerparkern vor der Glotze“ (ARD-Titel) entwickeln, überlegen offenbar auch Kommunalpolitiker, wie die Invasion der Zombies, Killerbienen und Monster einzudämmen ist. Angesichts der rund 5000 Filmschocker, die derzeit auf dem Leihmarkt zu haben sind, mochten Mitarbeiter des Jugendamtes Gelsenkirchen langwierige Indizierungen der Videoflut nicht abwarten.

Sie simulierten, was sonst nur im Monstermovie aus der Konserve zu haben ist. Um die Gewalt-, Sex- oder Horrorbotschaft zur Abschreckung an die Kundschaft zu bringen, zogen Sozialarbeiter Paul Baumann und ein dreiköpfiges Filmerteam durch 18 Gaststätten der Stadtteile Buer und Horst. Vor den Augen der arglosen Biertrinker entfesselten sie ein filmisches Inferno: Schüsse fielen, Äxte und Sägen kamen zum Einsatz, künstliches Blut floß in Strömen. Anweisung der Regie: „Brutaler! Aggressiver! Antonia, hol die Säge aus der Plastiktüte“. Titel des Video aus der medienpädagogischen Abteilung: „Wir schlachten Euch alle“.

Vor dem endgültigen Showdown klärte der vermeintliche Regisseur die unfreiwillige Statisterie über das erzieherische Anliegen der Dreharbeiten auf. Mehrheitlich überwog daraufhin wohl die Skepsis, ob solche Aktionen etwas gegen die jugendgefährdenden Videocassetten ausrichten können. Doch, so fand Paul Baumann, dies sei „eine Möglichkeit, Betroffenheit herzustellen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“.

Je nach Kneipen-Zielgruppe kamen die Filmer jedenfalls ins Gespräch: Die Reaktionen reichten von der Beifallskundgebung auf offener Szene in der Einfachpinte („Wir kucken sowat gärne“) bis zur reservierten Distanz im gutbürgerlichen Bierhaus („Hauptsache, dat passiert nich’ vor unsere Tür“). Dörte Schubert