/ Von Petra Lehnert

Wir sind sehr enttäuscht, weil es ja immer heißt, Jungunternehmer sollen gefördert werden!“, beklagt sich die Frau eines Spediteurs. Sie und ihr Mann gründeten vor etwa eineinhalb Jahren ein Fuhrunternehmen. Jetzt finden sie bei ihren Bemühungen, den Betrieb fortzuführen und rentabel zu gestalten, „nichts als Steine im Weg“,

Am Anfang arbeiteten die beiden mit einem Lastzug. Sie transportierten Waren im Nahbereich, in einem Umkreis von fünfzig Kilometern, Das Geschäft lief gut, und ein zweiter Lastzug konnte bald in den Hof einfahren. Doch dann kam ein Rückschlag. Einer ihrer Kunden änderte seine Standorte, Um den Kunden zu behalten, hätten sie außerhalb der 50-Kilometer-Zone fahren müssen. Das aber dürfen sie nicht, weil sie keine Genehmigung der Industrie- und Handelskammer haben. Die Erlaubnis für Fernverkehr ist nur schwer zu bekommen. Das Verkehrsministerium hält die Anzahl der Genehmigungen seit Jahren konstant, da dem Güterverkehr der Bundesbahn nicht zuviel Konkurrenz zugemutet werden soll eine Regelung, die vor allem zu Lasten kleiner Betriebe geht.

Weil die beiden jungen Unternehmer nicht weiter als fünfzig Kilometer fahren dürfen, haben sie einen Teil ihrer Aufträge verloren und die Möglichkeit, auf dem Aufträge weitere Kunden zu beliefern. Alle Versuche, eine Erlaubnis für den Fernverkehr zu bekommen, sind für die beiden bis jetzt gescheitert: „Seit eineinhalb Jahren bemühen wir uns vergebens, Wir haben alles versucht, bei der Regierung und überall. Die letzte Konzession ist wieder an einen Großen vergeben worden, der schon sechs besitzt. Das war das Schlimmste, was uns je passiert ist.“

Der Versuch, auf dem offiziellen Weg zu einer Konzession zu kommen, ist relativ aussichtslos. Die glücklichen Besitzer einer Genehmigung geben sie nur höchst ungern wieder ab. So gibt es für diese begehrten Papiere lange Wartelisten und viele Bewerber.

Wer allerdings finanzkräftig genug ist, der kann versuchen, eine Konzession auf dem Markt zu erwerben. Die allgemeingültigen roten Konzessionen kosten bis zu 250 600 Mark. Die blaue Genehmigung ist billiger zu haben, Mit ihr kann ein Spediteur Transporte nur im Umkreis von 150 Kilometern durchführen; sie kostet zwischen 70 000 und 150 000 Mark. Die Konzession allein kann allerdings am Markt nicht gekauft werden. Der Interessent muß bereit sein, einen ganzen Betrieb zu Übernehmen, Der Käufer ist dann verpflichtet, das Geschäft an Ort und Stelle weiterzuführen, unabhängig davon, ob der Standort des Unternehmens noch ökonomisch sinnvoll ist oder nicht,