Der Oberstleutnant a. D. und Friedensforscher Alfred Mechtersheimer hat den Aufruf von Günter Grass zur „Wehrkraftzersetzung“ mitunterzeichnet – ein schlimmes Papier, mit dem die Soldaten der Bundeswehr als Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst abgestempelt wurden. Eben diese Soldaten sollen nun nach dem Willen des Bundesverteidigungsministers mit Mechtersheimer und seinen Gesinnungsfreunden nicht mehr sprechen dürfen, jedenfalls nicht auf dem Podium. Die Evangelische Akademie in Loccum mußte deshalb eine Tagung über die „Zukunft von Sicherheit und Frieden absagen.

Wörners Zorn ist verständlich; seinem Sprechverbot mangelt es gleichwohl an Weisheit und Weitsicht. So wie Grass und Mechtersheimer denken mittlerweile – leider – viele im Lande. Aber sie alle sind Mitbürger. Wenn die Bundeswehr ihren Gegnern aus beleidigtem Selbstmitleid das Gespräch verweigert, begibt sie sich in eine gefährliche Isolation. Sie verliert die Chance zu überzeugen, und sie erweckt überdies den Eindruck, als sei sie angesichts vollendeter Raketen-Tatsachen an einem Dialog mit der Friedensbewegung gar nicht mehr interessiert. H. Sch.