Die Pauschalreise-Veranstalter kamen besser durch 1983, als es die düsteren Prognosen am Jahresbeginn befürchten ließen. Aber sie mußten Federn lassen.

A lljährlich stellt das Fachblatt Fremdenverkehrswirtschaft für Silvester einen Branchenspiegel mit den Ergebnissen jener 16 deutschen Reiseveranstalter zusammen, die es entweder auf mehr als 100 000 Kunden oder auf mindestens 50 Millionen Mark Umsatz bringen. Das Resultat für die Saison 82/83: Die Passagierzahlen und der Umsatz waren geringfügig rückläufig. So ist das Gewerbe mit einem blauen Auge davongekommen, denn selbst zuversichtliche Propheten hatten vor Jahresfrist hohe Verluste für möglich gehalten.

Auf den ersten Blick sieht das Gesamtbild der Pauschalreisebranche sogar relativ stabil aus: Insgesamt dürften in Deutschland gut 8,7 Millionen Pauschalreisen verkauft worden sein; die untersuchten Firmen halten daran einen Anteil von knapp 5,7 Millionen Reisen. Sie mußten – und das dürfte symptomatisch sein für das gesamte Gewerbe – nur einen Rückgang von 0,08 Prozent hinnehmen. Das ist in wirtschaftlich schwieriger Zeit eine fast zu vernachlässigende Größe und zeugt von einem ungebrochenen Interesse an solchen „Veranstalterreisen“, selbst wenn man in Betracht zieht, daß die Veranstalter in der Saison 81/82 einen spürbaren Kundenrückgang von über 2,5 Prozent hatten.

Anders sieht es aber aus mit der wirtschaftlichen Stabilität der Reisebranche. Während sie 1981/82 trotz gesunkener Kundenzahlen ein Umsatzplus von fast drei Prozent erwirtschafteten und so die höheren Kosten zumindest teilweise auffangen konnten, sieht es 82/83 düster aus. Der Umsatz sank um 0,6 Prozent auf gut 5,6 Milliarden Mark. Das entspricht einem Minus von fast 33 Millionen Mark.

Dieser Verlust dürfte teilweise auf den Preiskampf der beiden „Großen“, der TUI und der NUR Touristic, zurückzuführen sein. Wichtiger ist aber wohl noch, daß diese „Rabattschlacht“ die Reisewilligen lehrte, erst kurz vor Beginn der Hauptsaison zu buchen, weil sie (meist zu Recht) auf Sonderangebote hoffen dürfen.

Die Fremdenverkehrswirtschaft hat Plus und Minus auch nach Reisearten aufgegliedert: Flugreisen (knapp drei Millionen Teilnehmer) haben etwas zugelegt, Flugreisen mit Linienmaschinen oder im ABC-Charter nach Amerika mußten aber Einbußen hinnehmen. Spürbar war der Rückgang bei den teuren Fernreisen, hier sank die Zahl der Gäste um beinahe 13 Prozent auf 165 000 Passagiere.

Die Eisenbahn (rund 570 000 Pauschalreisende) mußte einen Verlust von 3,8 Prozent verbuchen. Die Zahl der Autofahrer mit Reisearrangement (1,48 Millionen) nahm um ein Prozent zu, hierbei sind die zahlreichen Ferienhausbucher enthalten. Imponierend ist die Zuwachsrate bei den Busreisenden mit sieben Prozent plus, die Gesamtzahl liegt allerdings nur bei 70 000. Auch die Kreuzfahrtschiffe konnten 4,6 Prozent mehr Passagiere an Bord locken, aber das sind insgesamt nur knapp 47 000 Gäste.