Von Dietrich Klitzke

Zwei gekreuzte Schwerter. Ins Bild kommt ein Vater, der seinen Sohn im Schwertkampf schult. Gedrillt wird der Zehnjährige für kriegerische Auseinandersetzungen mit christlichen Feinden. Die Geschicklichkeit des Jungen ist bemerkenswert. Sein Vater, der Held Battal Gazi, hat seine liebe Not. Die Ausbildung macht Freude.

So etwa läßt sich die Eingangsszene des türkischen Films „Die Rache des Battal Gazi“ (Batal Gazi’nin Initkami) zusammenfassen. Dieser Film ist einer von etwa 800 Titeln, die sich gegenwärtig im Mietverkehr des türkischen Video-Marktes befinden. Oberflächlich betrachtet, würde er dem Genre „Abenteuer/historischer Film“ zuzuordnen sein. Der Streifen ähnelt den „Tarkan“- und „Malkoçglu“-Filmen, deren Comic-Vorlagen von der Bundesprüfstelle bereits vor drei Jahren indiziert wurden: wegen ihres jugendgefährdenden Inhaltes.

Der Video-Markt blieb bislang von solchen staatlichen Zugriffen verschont – unverständlicherweise. Denn die eingangs geschilderte Waffenausbildung findet ihren Sinn: Die auftretenden Christen werden als Unmenschen ausgewiesen. Aus purer Mordlust fallen sie in ein friedliches osmanisches Dorf ein.

Wehrlose Menschen werden aus ihren Hütten getrieben, Kinder, Greise, Frauen und Gebrechliche. Da wird einem friedfertigen Dorfbewohner der Kopf abgeschlagen. Eine schwangere Frau wird trotz ihrer Bitten für ihr eigenes und das Leben ihres ungeborenen Kindes vom Schwert eines meuchelnden Christen durchbohrt.

Die Kamera hält alles genau fest – den abgeschlagenen Kopf, das in den Bauch der Schwangeren eindringende Schwert. Wozu die Genauigkeit im Detail? Um die Legitimität der islamischen Gegenwehr, um die Rache Battals zu verdeutlichen: Was dieser Held zu vollbringen vermag, veranschaulicht eine der darauffolgenden Szenen.

Die Frau Battal Gazis ist die Gefangene des Anführers der Christen. Er versucht Ayse durch Foltermethoden zum Verrat an Battal Gazi zu zwingen. Diesem gelingt es inzwischen in die Festung zu kommen und bis ins Verhörzimmer vorzudringen. Er treibt den Christen vor einem Kreuz in die Enge. In der Position des Gekreuzigten ist er der Rache des Battal Gazi ausgeliefert. Die Ehre des islamischen Helden und seiner Familie soll wieder hergestellt werden. Auf die Frage an den Christen, welche Hand Ayse Leid zugefügt habe, gibt Battal Gazi selbst die Antwort und schlägt dem Verfolgten die Linke ab. Großaufnahme: Zuerst der Armstumpf, dann die abgetrennte Hand.