Bei blutigen Krawallen sind in Tunesien mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Der Anlaß war die Verdoppelung der Brot- und Getreidepreise.

Präsident Bourguibas Regierung mußte ihre Sozialausgaben reduzieren; sinkende Erdölpreise und abnehmende landwirtschaftliche Erträge haben die Wirtschaft des Landes erschüttert. Ministerpräsident Mohammed Mzali machte sich zum Vorkämpfer der Sparpolitik und verkündete, Tunesien müsse „langsam zu realen Preisen übergehen“. Am 1. Januar stieg der Brotpreis, und gleichzeitig brachen im Süden des Landes Unruhen aus.

Im armen Süden des Landes, vor allem in Gafsa, dem Zentrum der Phosphatförderung, kam es schon vor Neujahr zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. 1980 hatten in Libyen ausgebildete Oppositionelle Gafsa zum Zentrum eines blutig unterdrückten Aufstandes gemacht. Wahrscheinlich lassen sich die Krawalle von 1984 aber viel eher mit dem Januar 1978 vergleichen, als Bourguiba einen Generalstreik der Gewerkschaft UGTT blutig unterdrücken ließ. Freilich tritt die Gewerkschaft als Organisator der heutigen Unruhen nicht auf – ihre Führung ist längst mit regierungstreuen Funktionären besetzt.

Mit dem Übergreifen der blutigen Unruhen auf die Hauptstadt, wo vor allem Studenten demonstrierten, werden die Krawalle zu einer ernsten Gefahr für das Regime des 80jährigen Bourguiba, der in den letzten Jahren zwar völlig einflußlose linke Oppositionelle toleriert hat, immer mehr aber den wachsenden Einfluß religiöser Extremisten fürchten muß, denen der Staat Bourguibas zu westlich und zu wenig islamisch ist. gi-