In China kommt der „Große Steuermann“ Mao Tse-tung wieder zu Ehren. Parteichef Ho Yaobang feierte den 1976 gestorbenen Gründer der Volksrepublik, der am 26. Dezember 90 Jahre alt geworden wäre, als den „größten Helden Chinas“. Und die Presse rühmt Maos Theorien als das „Banner, unter dem in der chinesischen Revolution und im sozialistischen Aufbau große Siege errungen wurden“.

Doch einen neuen Mao-Kult wird es nicht geben. Zwar blieb Mao das Schicksal Stalins erspart, dessen Leichnam nach Beginn der Entstalinisierung aus dem Lenin-Mausoleum in ein bescheidenes Grab an der Kreml-Mauer verbannt wurde. Maos sterbliche Überreste ruhen noch immer unter Kristallglas im monumentalen Grabmal auf Pekings Tiananmen-Platz. Aber Mao muß den Ehrenplatz nun teilen. Die Wartehallen des lange Zeit geschlossenen, zu Maos Geburtstag wiedereröffneten Mausoleums wurden zu Gedenkstätten für alte Weggefährten und Widersacher umgewandelt: den früheren Ministerpräsidenten Tschou En-lai, den legendären Armeeführer Zhu De und das ehemalige Staatsoberhaupt Liu Schaoshi.

Kein Zweifel: Deng Xiaoping, der die Kritiker seines Modernisierungskurses gerade mit einer Kampagne gegen „geistige Verschmutzung“ zu beruhigen sucht, stellt sich heute wieder demonstrativ in die Kontinuität Maos. Doch dessen letzte Ruhestätte wurde kollektiviert. Und auch seine Ideen gelten nur noch als „Kristallisation der kollektiven Weisheit der Kommunistischen Partei Chinas“. M. N.