Image heißt auf deutsch Vorurteil, und Attraktivität bedeutet das Geld, das es einbringt, einer Stadt zum Beispiel. Da viel von fremdenverkehrsrelevanten Indikatoren die Rede ist, von Mitteleinsatz und „weichen“ Maßnahmen, ist auf Anhieb klar, auf welchem Terrain wir uns befinden: auf dem der Kultur, welches sich jedoch in diesem Falle wiederum auf dem Gebiet der Kommunalpolitik befindet. Also geht es nicht um Kultur, sondern nur um das, was sie kostet und was die Ausgaben für sie einbringen könnten. So versteht es sich, daß hier vor allem an die Fremden gedacht wird, denn sie preisen nicht nur die kulturellen Genüsse einer Stadt, sondern bezahlen de Nacht im Hotel, das Essen im Lokal, das Mitbringsel im Laden, also Steuern in der Stadt. Und schon findet man das Wort Effizienz: Das nämlich ist es, woran den beiden Autoren eines Aufsatzes gelegen ist, der im neuesten Heft der Zeitschrift Der Städtetag abgedruckt ist. Sie wollten „Die kulturelle Attraktivität deutscher Städte für Image und Fremdenverkehr“ messen und legten die Latte an drei besonders „fremdenverkehrsrelevanten Indikatoren“ an: am Theater, am Museum, an der Sehenswürdigkeit. Genauer: sie zählten die Besucher pro Einwohner in 152 Städten. Hamburg? Theater befriedigend, Museen ungenügend. Mainz? Theater, Museum, Sehenswürdigkeit gut. Salzgitter? Null Museum, Null Sehenswürdigkeit, Theater mangelhaft. Darmstadt ist die attraktivste Theaterstadt, Köln die attraktivste Museenstadt, Berlin hat die meisten Sehenswürdigkeiten. Und was, fragen wir mit den beiden Verfassern, „was verändert sich nun in den einzelnen Groß- und Mittelstädten? Eigentlich nicht viel“, antworten sie. Und welche Lehre ziehen sie daraus? Den Mittelstädten raten sie, zum Beispiel, zwecks kultureller Attraktivitätsverbesserungen „ ‚weiche‘ Maßnahmen, die weniger Geld kosten“; allen Städten legen sie nahe, „mit einem geringeren Mitteleinsatz eventuell sogar größere Erfolge zu erzielen“; denn „trotz erheblichen Mitteleinsatzes“ sei die Attraktivität der Theater „eher geringer geworden“. Was haben wir daraus gelernt? Nichts. Nur, welchen Begriff sich Politiker von Kultur haben. Manfred Sack