Seinen Memoiren gäbe er vor zwei Jahren den Titel „Ein Deutscher in der Welt“ – und dies ist Klaus Mehnert, der Anfang dieser Woche im Alter von 77 Jahren gestorben ist, sein Leben lang gewesen.

Geboren wurde er in Moskau, ab Sohn eines deutschen Kaufmanns – und das Thema Rußland hat ihn nie losgelassen. Im Kriege verschlug es ihn nach Shanghai – und China wurde die zweite Leidenschaft seines Journalistenlebens. Den Vereinigten Staaten war er ohnehin verbunden, durch Studium und Heirat – sie waren der dritte Pol, um den seine Gedanken kreisten. Dabei blieb er stets Deutscher, zugleich ein Patriot und doch ein Weltbürger.

Millionen von Rundfunkhörern und Fernsehern erinnern sich seiner Kommentare, Hunderttausende seiner Leitartikel in Christ und Welt, ebensoviel der achtzehn Bücher, die er – ewig neugierig und schreibfreudig – verfaßt hat, Tausende von Studenten seiner Vorlesungen und Seminare. Mehnerts Leidenschaft war der deutende Kommentar, seine Stärke die analytische Reportage, in der er über die Faktensammlung vorstoßen konnte zur ordnenden Betrachtung. Seine Neugier hat Klaus Mehnert nie verloren, sein Staunen nie unterdrückt. Er war Journalist, Publizist, Professor – ein Lehrer, von dem viele Menschen vieles gelernt haben. Am Schluß seiner Memoiren bekannte er, er habe nie das Gefühl gehabt, einsam und überflüssig zu sein. Kein Wunder, daß viele ihn jetzt vermissen werden. Tb. S.