Tiefkühl – Sperma macht auch unfruchtbare Männer zu Vätern. Einige Probleme bleiben

Von Annelies Furtmayr-Schuh

Einem Mann wird ein Computer vorgeführt, der stets die Wahrheit sagt. Der Mann gibt die erste Frage ein: "Wo ist mein Vater?" – Der Computer antwortet: "Ihr Vater steht am Starnberger See und fischt." – "Falsch", sagt der Mann, "denn mein Vater ist seit 20 Jahren tot".

Der Mann formuliert die Frage anders: "Wo ist der Mann meiner Mutter?" – Der Computer antwortet: "Der Mann Ihrer Mutter ist seit 20 Jahren tot. Ihr Vater hat soeben einen Hecht gefangen."

Mit Aussicht auf solch ein Verwirrspiel werden in der Bundesrepublik jährlich. 500 bis 1000 Kinder geboren. Es ist kein Versehen, kein Fehltritt der Liebe, sondern geplante Anonymität. Selbst die Mutter hat den Vater ihres Kindes nie gesehen. Seinen Namen kennt nur der Computer in einer der zwanzig Frauenkliniken in Deutschland, die ihren Patientinnen eine künstliche Besamung mit Spendersamen anbieten (im Medizinjargon: artifizielle Insemination mit Donorsperma).

Die anonyme Spende kennen unsere europäischen Nachbarn schon seit Jahren. In der Schweiz existieren etwa 20 kommerziell betriebene Banken für menschlichen Samen und in Frankreich 16; ähnlich ist die Situation in den Beneluxländern. Für eine Gebühr von 400 Mark im Jahr kann jetzt auch der deutsche Mann in Essen oder Krefeld seine Nachwuchserwartung auf Eis legen. Stößt ihm etwas zu oder wird seine Fruchtbarkeit durch Krankheit gestört, kann er dennoch Vater werden. Der Gynäkologe wird’s schon richten: keimfrei und ohne Verstoß gegen die guten Sitten.

Tumorpatienten können Samenportionen an der Hautklinik der Münchener Universität kostenlos zur Aufbewahrung geben. Die Münchener installierten vor zehn Jahren die erste deutsche Samenbank. Sie wollten damit Krebskranken – vor allem jungen Männern mit Hodentumoren – trotz erbgutschädigender Strahlenbehandlung oder Chemotherapie zum eigenen Kind verhelfen. Hodenkrebs tritt meist in den besten Mannesjahren zwischen 20 und 40 auf; Patienten haben heute sehr gute Überlebenschancen. Der Wunsch nach eigenem Nachwuchs läßt sich freilich nur dann erfüllen, wenn der behandelnde Facharzt – der Onkologe – über die Schneide seines Skalpells hinausblickt: Er muß den ganzen Menschen sehen und ihn über die Möglichkeit zur Sameneinlagerung informieren.