Die Konservativen verdanken ihren Erfolg einer nüchternen Haushaltspolitik

Von Matthias Naß

Kopenhagen, im Januar

Hätte man nicht gewußt, daß in Dänemark gewählt wurde – die Straßen Kopenhagens verrieten wenig davon. Man mußte schon eine Weile suchen, bis man ein Wahlplakat entdeckte; von den bei deutschen Wahlen vertrauten Materialschlachten keine Spur. Lediglich rings um Schloß Christiansborg, den Sitz des Folketing, prangte überall das rote "K" der Kommunisten. Die oppositionellen Sozialisten machten mit einem wolfsgesichtigen Premier Schlüter Stimmung gegen die Sparpolitik der Regierung.

Auf dem Strøget, der 1,8 Kilometer langen Einkaufsstraße im Stadtzentrum, war nicht Wahlkampf, sondern Winter-Schluß-Verkauf angesagt: Der "Udsalg" in Boutiquen und Jeans-Shops war offenkundig attraktiver als die müde Wahlwerbung der Politiker. Nein. Wahlfieber hatte Dänemark nicht erfaßt, und ruhig verlief auch die Wahl am Dienstag.

Seit 1971 wurden die Dänen alle zwei Jahre an die Urnen gerufen. Kein Wunder also, daß bei vielen das Interesse erlahmte. Wenn überhaupt, wurde der Wahlkampf im Fernsehen geführt. Höhepunkt war am Sonntag abend die Diskussionsrunde der Vorsitzenden aller 13 zu den Wahlen zugelassenen Parteien. Die Repräsentanten völlig chancenloser Splittergruppen hatten dabei exakt die gleiche Redezeit wie der konservative Regierungschef und der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten.

In Hemdsärmeln und knallroten Hosenträgern präsentierte sich der graubärtige Chef der sozialistischen Volkspartei, Gert Petersen, dem Fernsehpublikum. Petersen, dessen Partei bei den letzten Wahlen (und auch jetzt wieder) 21 der 179 Folketing-Sitze erringen konnte, forderte die "Demokratisierung des Wirtschaftslebens" und gab die Parole aus: "Stoppt den Schlüter-Konservatismus."