Wohin mit dem Fund? Die Experten sind ratlos

Von Reiner Klingholz

Hamburg.

Seit Tagen weicht der Regen die Deponie ein. Die Bulldozer versinken bis zu den Felgen im Schlamm. Kühlschranktüren und angerostete Herde ragen aus Bergen von Bauschutt. Weiter oben stinkt es süßlich-scharf wie im Chemielabor. Ein Stück entfernt, hinter dem Drahtzaun, fackelt das Deponiegas ab.

Durch die Wolkenfetzen des grauen, trüben Januar-Nachmittags fällt der Blick auf Autobahnen. Sonst gibt es, soweit das Auge reicht, nur Industrie- und Hafenanlagen – mit einer Ausnahme. Direkt neben dem Deponiegelände halten sich eine alte Windmühle, ein paar Pferdezüchter und der Schrebergarten-Verein Veddel-Peute mit seinem Karpfenteich. Unmittelbar daneben steht das Schild, das vor unbefugtem Betreten warnt und Müllabladen verbietet. Beides allerdings kann die Hinweistafel nicht verhindern.

Über den Müllberg sollte, nachdem er 1979 geschlossen wurde, in jeder Hinsicht das Gras wachsen. Später wollte ihn die Stadt als Naherholungsgebiet den Bürgern übergeben. Doch aus dem Traum der Landschaftsarchitekten und Müllgesellschafter wird wohl nichts werden. Die hochaufgeschüttete Deponie gibt nämlich allerlei Gase und Flüssigkeiten frei, und das Grün will auch nicht so recht wachsen.

Seit kurzem ist klar, daß nicht nur Lästiges, sondern auch noch Giftiges aus dem Müllberg rinnt: 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-para-dioxin, kurz und nicht ganz korrekt Dioxin genannt, berüchtigt unter dem Namen Seveso-Gift.