November 1843: Über vier Wochen ist der Hildesheimer Tischler Heinrich Lüder mit Frau und Kindern schon auf See, fremden Ufern entgegen. St. Louis im Süden der USA steuern sie an, voller Hoffnung auf ein besseres Leben dort. Doch vor den Traum Amerika hat die Geographie, den Alptraum der Atlantiküberquerung gesetzt. Auf dem schlecht ausgerüsteten, vollbesetzten Schiff fault das Wasser, und Läuse plagen die Passagiere.

Den 24. Heute morgen 4 Uhr legte sich der Sturm und wir kriegten Ostwind, womit wir heute eine gute Strecke weiterkommen. Meine Frau ist jetzt auf dem Wege der Besserung, aber mein Sienchen liegt noch stille weg, und ich weiß nicht, was es für eine Krankheit ist, weil kein Doktor an Bord ist, der mir es sagen kann. Sie klagt über Gliederschmerzen und gänzlich keinen Appetit zum Essen. Es kam heute ein Fisch aufs Vordeck geflogen, den die Matrosen sich braten.

Sonnabend den 25. November. Heute konnten wir ein Unglück haben. Wir saßen beim Frühstück, da kam das Geschrei, es wäre ein Kind ins Meer gefallen. Wir liefen herauf, doch da war es ein Matrose, der bei seiner Arbeit herab ins Meer gefallen war. Man warf ihm ein Seil hin, woran er sich festhielt und so heraufgezogen wurde. Wäre es aber den Tag vorher gewesen, so hätte er nicht gerettet werden können, wegen dem Sturm, denn heute haben wir Windstille. Den 26. Der Wind hat sich im Westen gedreht, und wir sind schon 8 Tage ein Stück in Richtung Süden gefahren. Es ist hier schon so warm wie bei uns mitten im Sommer. Die Sonne geht 1/2 7 Uhr auf und 1/2 6 unter. Wir machen uns abends Unterhaltung mit Singen und Spielen, dazu tanzen einige Paare und sind recht vergnügt.

Den 2. Es ist so heiß, daß man die Hand nicht außenwändig am Schiff haben kann, und die Nächte sind so heiß, daß man nicht im Bett liegen kann. Den 6. Das gute Wetter dauert noch immer fort, und die Hitze wird noch immer größer. Wir haben weiter kein Zeug an als Hemd und Hosen. Meine beiden Kranken bessern sich zusehends, nur fehlt es ihnen an kräftigen Speisen. Unser Wasser ist stinkend geworden, daß wir es nicht mehr trinken können.

Den 11. Wir sind alle wieder munter und gesund, nur daß wir den Aussatz haben und uns vor Läusen nicht bergen können. Wir haben uns anstatt verringert vermehrt, denn die Frau Sperling aus Hahausen hat vorige Nacht ein kleines Mädchen geboren, und Mutter und Tochter sind gesund. Den 13. Heute ist die See gewöhnlich unruhig. Wir hoffen jetzt immer, daß wir bald Land sehen werden, weil uns schon einige Tage Moos und Seegras entgegengekommen ist und sich heute schon einige Seevögel gezeigt haben.

Den 15. Der Sturm aus Nordost ist diese Nacht losgebrochen, und zwar so stark, wie wir es noch nicht gehabt haben, so daß ein Segel von unten bis oben entzweiriß. Allein, wir sind das schon so gewohnt, daß wir uns nicht viel mehr daraus machen. Unser Wasser ist seit einigen Tagen so schlecht geworden, daß wir haben unseren Kaffee und Tee über Bord gießen müssen. Unser Essen ist so schlecht geworden, daß wir es dem Kapitän gesagt haben, welcher ein guter Mann war. Jetzt erhalten wir besseres, weil genug da ist, allein dies hing vom Steuermann ab, der sich hierdurch einen Vorteil verschaffen wollte, weil dessen Vater das Schiff für die Passagiere ausgerüstet hatte. Denn das, was an Eßwaren übrig bleibt, ist sein Gewinn. Daher warne ich einen jeden, der diese Reise machen sollte, mit diesem Schiff überzufahren, weil die Behandlung zu schlecht ist.

Den 16. Heute morgen haben wir seit England das erste Land gesehen, nämlich die Insel St. Domingo, worüber wir uns recht freuten. Sie hat eine romantische Ansicht und ist eine große Insel, von Schwarzen bewohnt. Ihre Gebirgsketten haben Ähnlichkeit mit unserem Harzgebirge. Heute hatten wir einen Schreck, weil es hieß, unser Schiff sei leck. Es wurden gleich alle Kisten umgepackt und der Ballast von der Stelle gebracht und der Schaden durch den Zimmermann ausgebessert. Mir ging dabei eine Kiste und ein Koffer kaputt, wobei mir viele Kleidungsstücke und beinahe mein Werkzeug verloren ging, welches im Ballast begraben liegt.