Wieder keimt die Hoffnung, von Bonn kräftig geschürt, daß der Ost-West-Dialog endlich aufs neue in Gang kommt. In Stockholm werden in der nächsten Woche die Außenminister der 35 Länder zusammentreten, die 1975 die Schlußakte von Helsinki unterzeichnet haben, darunter auch der Amerikaner Shultz und der Russe Gromyko.

Offiziell geht es um die Eröffnung einer auf zweieinhalb Jahre angelegten „Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa“: den ehrenwerten Versuch, militärische Überraschungsaktionen in Europa durch verbindliche Regeln zu erschweren. Aber um dieses technisch-diplomatische Wortungetüm ranken sich heute Erwartungen, die weniger mit militärischer als mit politischer Vertrauensbildung zu tun haben: Können Shultz und Gromyko die beiden Weltmächte aus der Phase der Starrheit herausführen?

Wohl kaum. Die Großen haben sich vom Druck der Kleinen bestenfalls zu einer Geste bewegen lassen. Ein Anfang, gewiß – aber auch ein Ausdruck dafür, wie dürftig es um das Ost-West-Verhältnis steht. Nicht direkte Verhandlungen, sondern nur Kontakte, nicht Abrüstung, sondern nur „vertrauensbildende Maßnahmen“ sind der Stoff, aus dem heute Entspannungshoffnungen gesponnen werden. Wer diese Hoffnungen jetzt über Gebühr beschwört, läuft Gefahr, enttäuscht zu werden. -cb-