Eine Offensive für den Frieden zwischen den Generationen will die Deutsche Kinderrechtsbewegung in diesem Monat eröffnen. Die Initiatoren eines Kinder-Doppelbeschlusses (unter ihnen die Arbeitsgemeinschaft „Leben ohne Schule“, die Forschungsgemeinschaft für antipädagogische Fragen, die Aktion „Kinder-SCHUTZ“ und die Indianerkommune Nürnberg) fordern eindringlich die Abrüstung der Erwachsenen und die Gleichberechtigung des Kindes. Die Diktion des Beschlusses orientiert sich dabei an der „vorherrschenden friedenspolitischen Argumentationslogik“ der Politiker – um diesen entgegenzukommen. Als Opfer des bestehenden Kriegszustandes, der durch Erziehung, Pädagogik und die „Fratze vom sogenannten Kinderschutz“ entstehe, seien täglich drei bis fünf tödlich verletzte Kinder zu beklagen, heißt es dazu in einem Flugblatt der Nürnberger Indianerkommune.

In dem Doppelbeschluß verlangen die Kinderrechtler vom Gesetzgeber „... gewalttätigen Eltern die staatliche Lizenz zu entziehen und klarzustellen, daß die ,Erziehungspflicht‘ des Grundgesetzes keinen Auftrag an die Eltern beinhaltet, ihre Kinder notfalls mit Gewalt zur Unterordnung zu bringen.“ Als langfristiges Ziel streben die Kinder-Lobbyisten die Abschaffung von Jugendgefängnissen, Erziehungsheimen und der Schulpflicht sowie die Einführung des Wahlrechts ohne Altersbeschränkung an.

Innerhalb der kommenden neun Monate wollen die Kindesschützer noch auf Abrüstungsgespräche mit Politikern vertrauen. Sollte der Gesetzgeber bis zum Oktober ’84 nicht ernsthaft mit dem Abbau des „Faustrechts der Erwachsenen“ begonnen haben, drohen die Doppelbeschluß-Initiatoren mit Aufklärungsarbeit; Kinder und Jugendliche sollen dann die bestgehütetsten Geheimnisse der Erwachsenenwelt erfahren. Wie diese genau für den Widerstandskampf zu nutzen sein werden, ist noch unklar. Immerhin betonen die Beschlußunterzeichner, daß Kleinkinder nicht bewaffnet werden und auch nicht den Umgang mit leicht zugänglichen Giften lernen sollen, um sich feindlicher Erwachsener zu entledigen. „Adultistischen“ (erwachsenzentrierten) Politikern, die sich mit den radikalen Forderungen möglicherweise nicht anfreunden können, empfehlen die antipädagogischen Unterzeichner, in den Osten zu gehen: „Dort passen sie ins System und brauchen keine neuen Gesetze zu ersinnen, um mit aufmüpfigen Bürgern fertigzuwerden.“

Dörte Schubert