Nach sieben Jahren mußte der hersteller Euchid mit Verlust verkauft werden

Als Daimler-Benz vor sieben Jahren den amerikanischen Schwerlastwagen-Hersteller Euclid kaufte, waren die Kommentatoren voll des Lobes: Der „Einstieg in die US-Produktion“ wurde verkündet. Das Handelsblatt sah sogar in „Euclid das Vehikel für Mercedes in den USA“.

Jetzt wird dieses Vehikel verkauft wie ein Gebrauchtwagen – mit einem deutlichen Preisabschlag. Der Käufer, die amerikanische Maschinenfabrik Clark, gibt Daimler-Benz zwar ein Aktienpaket im Wert von rund 30 Millionen Dollar, unter dem Strich aber haben die Stuttgarter an ihrem Euclid-Engagement rund hundert Millionen Mark verloren.

Kauf und Verkauf waren das Werk von Ger-Prinz, dem im Oktober vorigen Jahres plötzgestorbenen Daimler-Benz-Vorstandsvorsit-Prinz hatte 1977, damals noch unter dem Daimler-Chef Joachim Zahn im Vorfür Materialwirtschaft zuständig, die Verzum Kauf von Euclid gerührt Prinz Verkaufsverhandlungen nach zwei Vernoch eingeleitet.

Denn die einstige „Perle“ Euclid hatte inzwischen an Glanz verloren. Schwerstlastwagen mit zu 170 Tonnen Gesamtgewicht (zum Vergleich: Auf deutschen Autobahnen dürfen nur Lastzüge bis zu einem Gewicht von 38 Tonnen fahren) schienen in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre eine glänzende Zukunft zu haben. Im Tagebau eingesetzt sollten sie bei stetig steigenden Olüreisen helfen, die Ölsände in Nordamerika abzubauen. Außerdem waren die Exportaussichten hervorragend, denn der Dollar war niedrig bewertet, die riesigen Laster ließen sich preisgünstig ins Ausland verkaufen.

Inzwischen hat sich die Welt verändert. Der Ölpreis ist nicht, wie damals erwartet, weiter gestiegen; die Ausbeutung der Ölsände in Nordamerika wurde deshalb aufgegeben. Die Konjunktur in den USA sackte ab. Die Nachfrage und die Preise für Baumaschinen fielen. 1982 fanden sich nur noch ein Viertel der Kunden, die sich noch 1978 neues Gerät zugelegt hatten. Der Export aber konnte für Waren made in USA immer weniger ein Ventil sein, denn der Dollar erklomm immer neue Höhen, Produkte aus Amerika wurden dadurch im Ausland immer teurer. Auch Euclid konnte so nur noch wenige seiner riesigen Lastwagen verkaufen: 1981 wurden noch 604 Kipper produziert, im gerade abgelaufenen Jahr waren es weniger als 400.

Die Schwerlastwagen-Tochter machte damit „wirkliche Verluste“, wie Daimler-Chef Prinz schon im vorigen Jahr einräumte. Für die Muttergesellschaft jedoch waren die Verluste zu ertragen, denn rechtzeitig waren alle Aktivitäten in den USA zusammengefaßt worden: Den roten Zahlen von Euclid standen satte Gewinne aus dem Verkauf von in Deutschland produzierten Personenwagen gegenüber; der hohe Dollarkurs, der das Euclid-Geschäft belastete, schwemmte den Pkw-Verkäufern zusätzlich Geld in die Kassen. Mehr als siebzigtausend Personenwagen konnte Daimler-Benz 1983 in den USA absetzen – zum unverändert hohen Durchschnittspreis von über dreißigtausend Dollar. Pro Dollar aber werden heute beim Umtausch rund fünfzig Pfennig mehr eingenommen als noch vor einem Jahr; pro Auto verdient Daimler-Benz also 15 000 Mark zusätzlich.