Unter Europas Fluggesellschaften hat die Lufthansa vermutlich die größte Abneigung gegenüber Bonusprogrammen und Promotion-Aktionen mit Geschenken, schrieb die amerikanische Fachzeitschrift Frequent Flyer im September 1982. Jetzt bietet der Kranich-Carrier als fünfte europäische Airline ein Vielflieger-Programm mit einem amerikanischen Pariser an.

Seit kurzem ist es offiziell: Lufthansa-Passagiere können an dem von United Airlines in den USA entwickelten „Mileage Plus“-Programm teilnehmen und auf attraktive Vergünstigungen hoffen. Das Verfahren ist einfach: Je mehr Flugmeilen man sammelt, desto größer ist die Prämie. Der Fluggast meldet seine Teilnahme entweder bei Lufthansa oder United an und erhält einen Vorrat an „Mileage Plus Flight Cards“. In diese werden der Name, die Teilnehmernummer, die Flugnummer, das Flugdatum, die benutzte Klasse und die Flugstrecke eingetragen. Beim Einchecken auf dem Flughafen gibt man die Karte zusammen mit dem Ticket ab. Der Zentralcomputer von United führt über die Flüge jedes Teilnehmers Buch und informiert ihn regelmäßig über seine Flugmeilenbilanz.

Gesammelt werden können die Flugmeilen auf den Gesamtnetzen beider Gesellschaften – also auch beispielsweise nur auf Lufthansa-Inlandflügen, allerdings mit Vorbehalten. Die Berechnung der Flugmeilen hängt von der benutzten Klasse ab. während in der Tourist Class die tatsächlich geflogenen Meilen addiert werden, sind es in der Business Class 125 Prozent und in der First Class 150 Prozent der effektiven Flugleistung. Punkte sammeln kann man allerdings auch auf Flughöhe Null – wenn man in bestimmten Hotels schläft oder bei ausgewählten Mietwagen-Unternehmen bucht.

Das Bonusprogramm besteht aus sieben Meilen-Stufen; die unterste beträgt 20 000, die höchste 150 000 Flugmeilen. Wird die Minimum-Grenze überschritten, besteht zum Beispiel die Prämie aus einer kostenlosen Aufwertung („Upgrading“) bei einem Hin- und Rückflug von der Tourist- in die Business-Class. Wer diesen Bonus nicht einlöst, sondern weitersammelt und schließlich 150 000 Flugmeilen auf seinem „Mileage Plus“-Konto hat, erhält ein First-Class-Ticket zu einem Ziel seiner Wahl.

Abgerufen werden können diese und entsprechende andere Bonusprämien nicht nur bei Lufthansa und United, sondern bei jeder der am „Mileage Plus“-System teilnehmenden Firmen, unter anderen Air New Zealand und SAS. Auch Westin Hotels, Avis, Hertz und Royal Viking Line bieten für solche Bonus-Punkte Vergünstigungen.

Für europäische, insbesondere deutsche Passagiere, gibt es jedoch einige Pferdefuße. Denn erstens kann sich die Lufthansa im Inland immer noch nicht recht für Rabatte (und das sind die Boni letztlich) begeistern, und zweitens kollidieren derartige Verkaufshilfen mit der hiesigen Zugabeverordnung.

Deshalb muß der potentielle Teilnehmer eine „Wohnadresse in den USA“ angeben, über die auch der Postverkehr läuft. Außerdem müssen alle Flugscheine in den USA ausgestellt sein. Wer seine Prämienpunkte bei der Lufthansa nutzen will, ist auf die Nordatlantik-Route, und zwar auf Flüge ex USA, begrenzt. Nur der Rückflug darf in der Bundesrepublik beginnen.