Immer noch keinen Anlaß zum Jubeln bieten die Resultate der einst ertragsstarken deutschen Tochter des japanischen Elektronikkonzerns Sony. Für das im Oktober beendete Geschäftsjahr 1982/1983, so gestand jetzt Deutschland-Boß Jack Schmuckli, habe er „einen zweistelligen Millionenverlust“ an das Hauptquartier in Tokio melden müssen. Im Jahr zuvor war Sony Deutschland mit knapp fünfzig Millionen Mark erstmals in die roten Zahlen gerutscht.

Nach harten Rationalisierungsmaßnahmen hofft Schmuckli als nächstes „wieder einen positiven Abschluß präsentieren zu können“. Er halbierte das Lager und baute zehn Prozent des Personals ab. Auf Rat von außen muß das Sony-Management künftig verzichten, denn sämtliche Verträge mit Unternehmensberatern wurden gekündigt. Schmuckli: „Solche Ausgaben kann man sich nur leisten, wenn es einem gut geht.“

Sorge macht dem Sony-Chef allerdings der Höhenflug des japanischen Yen, der seine Geräte verteuert und hierzulande Preiserhöhungen notwendig macht. Vor allem für Videorecorder aber sind sie am Markt kaum durchzusetzen. Schmuckli: „Wir arbeiten ja mit dem Beta-System, das zwar anerkannt gut, aber hier in einer Minderheitsposition ist.“

Nicht nur hier, wo der Beta-Marktanteil deutlich unter die 15-Prozent-Marke gefallen ist. In Japan, den Vereinigten Staaten und Europa – überall hat das Konkurrenzsystem VHS mit Anteilen von bis zu achtzig Prozent die Nase eindeutig vorn. Gerade ist das ohnehin kleine Beta-Lager weiter zusammengeschrumpft: In USA wechselten der Großanbieter Zenith, in Japan Toshiba und NEC zur Konkurrenz VHS.

Im Herbst soll es nun losgehen mit einer nochmals vollkommen neuen Video-Norm, dem sogenannten „8 mm-Video“. Es ist das siebte System, seit die Industrie Videogeräte für Konsumenten herstellt, und keines davon harmoniert technisch mit den anderen sechs. Chancen beim verwirrten Verbraucher rechnen sich die Promoter des neuen Standards vor allem deshalb aus, weil sie damit den Anspruch einer einheitlichen Weltnorm verbinden, die über kurz oder lang dem gegenwärtigen System-Wirrwarr ein Ende bereiten soll.

Großes Interesse, die neue Video-Norm schnell einzuführen, haben vor allem Firmen, die bisher trotz aller Anstrengungen am Videomarkt zu kurz gekommen sind: Philips und Grundig, deren europäisches System V 2000 nur wenig reüssierte, gehören ebenso dazu wie der japanische Sony-Konzern, dessen Beta-System mehr und mehr an Boden verliert gegen die alles dominierende VHS-Norm der Matsushita-Gruppe.

Vergangene Woche zeigte es sich, daß diese Verlierer-Allianz auf weitere Unterstützung aus einer ganz anderen Sparte rechnen kann: der Zelluloid-Branche. Der weltgrößte Foto-Konzern Eastman Kodak kündigte zum selben Termin wie zuvor schon Philips, nämlich Herbst 1984, auch für den deutschen Markt 8 mm-Videogeräte an. Da Kameras nach diesem Standard ähnlich leicht und handlich ausfallen wie Schmalfilm-Apparate, hält der Fotoriese Kodak die Zeit für gekommen, von Zelluloid auf Magnetband umzuschalten.