Im Juli vergangenen Jahres geriet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung (BAU) in Dortmund ins Zwielicht. Ihr Präsident Professor Manfred Hagenkötter war wegen Verschwendung von Steuergeldern seines Amtes enthoben worden. Nach anfänglichen Androhungen eines Rechtsverfahrens verlief dann alles im Sande, der Mann wurde stillschweigend mit 50 Jahren in den „wohlverdienten“ Ruhestand gesetzt.

Kürzlich erschien im Bundesarbeitsblatt ein „Erlaß über die Bundesanstalt für Arbeitsschutz“ in Dortmund. Ohne Erläuterung war die „Unfallforschung“ aus dem Namen gestrichen und auf diese Weise amtlicherseits bestätigt worden, daß dort keine Unfallforschung mehr betrieben wird.

Eine wissenschaftliche Bankrotterklärung?

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Rückblick auf die Entstehung dieser Institution. Die ehemalige „Reichsstelle für Arbeitsschutz“ in Berlin, gegründet 1930, wurde 1951 zum Bundesinstitut umbenannt. Im Jahr 1970 bestand ein Jahresetat von 2,1 Millionen Mark bei 56 Mitarbeitern. Man sprach damals von einer Umwandlung zur „Bundesanstalt für Unfallforschung“, nahm dann aber den Begriff „Arbeitsschutz“ beim offiziellen Erlaß 1971 hinzu. Bei der großen Neueröffnung 1972 betonte der damalige Bundesarbeitsminister Walter Arendt in seiner Ansprache den hohen wissenschaftlichen Rang der Bundesanstalt: „Den Hochschulen muß ein aufbereitetes Konzept der sicherheitstechnischen Erkenntnisse angeboten werden.“

Der hohe Anspruch führte zwar in den folgenden Jahren zu immer höheren Ausgaben (Jahresetat 1982: 52,6 Millionen Mark bei 234 Mitarbeitern). Geblieben ist aber nun eine auf den Arbeitsschutz reduzierte Bundesanstalt – ein Institut, das über technische Geräte für Forschungszwecke im Wert von über 15 Millionen Mark verfügt und somit eigentlich denkbar beste Voraussetzungen für eine breit angelegte Unfallforschung hätte.

Nur durch wissenschaftlich ausgerichtete Unfallursachen-Analysen kann eine einheitliche Theorie über technische Gefahren und Schutzmaßnahmen entwickelt werden. Und erst mit Hilfe einer solchen Theorie läßt sich eine effiziente Unfallverhütung erzielen – die Basis für eine „Humanisierung der Technik“, die in allen Lebensbereichen mit Recht stärker gefordert wird.

Laien gehen gewöhnlich davon aus, daß technische Vorschriften auf der Grundlage der Unfallforschung erlassen werden. Kaum jemand macht sich jedoch klar, daß dem gar nicht so ist, sondern vielmehr Interessengruppen Vorschriften und deren genaue Formulierung untereinander aushandeln – unter Ausschluß der Verbraucher. Das hat zu einer ungeheuren, kaum noch überschaubaren Flut an größtenteils unkoordnierten Vorschriften geführt, welche die Anwender oft mehr verunsichern als versichern.