Die Revolution entläßt ihre Sänger: Frankreichs populärster Chansonnier Yves Montand hat sich – obwohl noch Star der Polit-Filme „Z“ und „Das Geständnis“ – endgültig von der Linken losgesagt. Mit seiner Frau Simone Signoret, berühmte Film- und Fernseh-Actrice, war er noch 1956 zu Chruschtschow nach Moskau gefahren, sie stand mit Helene Weigel vor der DEFA-Kamera für Brechts „Mutter-Courage“-Verfilmung: neben Aragon/Triolet das bekannteste Paar der sozialistischen Sehnsucht Frankreichs.

Aus und vorbei: Interviews (sogar im rechtslastigen Figaro), Manifeste, Reden, Fernsehshows zeigen einen militant die Pershing II und Kollegen Reagan lobenden, die SS-20 und Andropow attackierenden Schauspieler. Nicht nur Aragon und Sartre, Picasso und Le Corbusier sind vergangen – „Marx ist tot“ ist seit spätestens 1977 die Devise in Paris – erst kündeten es die (Neuen) Philosophen, dann die Journalisten, und nun legt sich der letzte Verbliebene in die Rechtskurve: Nach einem vehementen Fernsehauftritt voll rasant-aggressiver Statements gegen sozialistische Politik stand Montand vergangene Woche der Schweiß auf der Stirn – die Mitterrand-müden Zuschauer verlangten „Montand for President“. Seinen Evergreen, das „Lied der französischen Résistance“, wird Yves Montand im Barbie-geschockten Frankreich wohl so bald nicht mehr singen; doch witziger als der sich in den Fragen des eigenen Alt-Stalinismus verheddernde Mime resümierte Simone Signoret den gemeinsamen Wandel: „Adieu Balaleikas – Bonjour Sacharow“. F. J. R.