Von R. W. Leonhardt

Große Leistungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, mehr und mehr auch auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften, können aus keinem Lande in so großer Zahl gemeldet werden wie aus den Vereinigten Staaten. Sind also die Amerikaner die Genies des 20. Jahrhunderts?

Diese Annahme kann zumindest nicht die ganze Erklärung sein. Das wird deutlich, wenn man sich diejenigen näher ansieht, die solche Leistungen hervorgebracht haben. Da findet man Chinesen neben Europäern, Afrikaner neben Indern, die oft selber erst nach Amerika gezogen, in anderen Fällen Kinder oder Enkel von Einwanderern sind. Näher liegt daher der Schluß, daß das amerikanische Erziehungssystem besonders leistungsfähig ist – vor allem wegen seiner klugen Verbindung von staatlicher Fürsorge und privater Initiative.

Bei uns hingegen haben Privatschulen einen leichten baut goût, obwohl die guten unter ihnen zu den besten deutschen Schulen gehören, und private Hochschulen fanden sich lange Zeit dem Anwurf „elitär“ ausgesetzt.

Alle damit zusammenhängenden Fragen wurden zum letzten Male mit heftigem Pro und Contra im Kabinett Nordrhein-Westfalens erörtert, ehe Anfang vorigen Jahres eine SPD-Regierung über ihren Schatten sprang und als erster deutschen Privatuniversität der Wissenschaftlichen Hochschule Witten-Herdecke ihren Segen gab.

Was gegen private Hochschulen vorgebracht werden kann, wurde im Düsseldorfer Landtag mit aller Schärfe gesagt. Der DGB sprach von einer „Kaderschule der Konzerne“. Die Westdeutsche Rektorenkonferenz und der Hochschullehrerverband sahen in der Neugründung ein ungerechtfertigtes Mißtrauensvotum gegen die staatlichen Universitäten.

Die alte Diskussion wird jetzt von neuem entfacht durch die Meldung, daß in Koblenz eine private Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung entstehen und schon im Herbst dieses Jahres ihr Lehrprogramm aufnehmen soll.