Von Rainer Frenkel

Im Fernsehstudio sitzen drei Damen und drei Herren. Je zwei von ihnen heiratswillig, wenn auch nicht untereinander. Die anderen beiden werden tun, was sie für Moderieren halten.

Der Moderator: "Sie wollen also heiraten?" Eine Dame bestätigt dies und auch den ihr vorgehaltenen Namen. "Welche Eigenschaften sollte Ihr Mann denn haben?" Das ist nun schon weniger klar. Der Moderator: "Sollte er treu sein?" Die Dame nickt dankbar, errötet. "Es kommt Ihnen also weniger auf das Äußere an?" Da hat er schon wieder recht. Die Dame haucht ein "Ja", als sei sie am Ziel ihrer Wünsche. Das schreit nun geradezu nach Musik, und da ist sie schon, die Popkonserve: Monster mit langen Zähnen tun, was sie für Singen halten; dazu läuft ein Text über den Bildschirm: "Wenn Sie heiraten möchten, rufen Sie uns an." Ich stelle mir vor, was ich dächte, hätte ich an dieser Stelle eingeschaltet.

Ein paar Mal noch wiederholt sich die Szene, mit anderen Figuren, die – wenn auch mit anderen Worten – eben dasselbe fragen, sagen, singen. "Die Damen und Herren stehen noch den ganzen Abend zur Verfügung, telephonisch natürlich, hahaha." Während der Sendung hilft dieser lustige Hinweis nicht.

Das mag daran liegen, daß die Ware nicht ankommt, auf diesem "Heiratsmarkt". Oder auch daran, daß die Sendung quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit läuft.

Denn hier, wo es auf dem Kanal "Bürger-Service" um die Zukunft einiger Menschen geht, sind wir am Ort des Ursprungs einer ganz anderen Zukunft, einer nationalen: die Medienzukunft.

Ein paar Tage ist diese nun schon alt. Die Sektflaschen sind geleert, die Reden vergessen. Der von seinen Propagandisten so genannte "medienpolitische Urknall" ist leise im Alltag verpufft. Und in dem schon allerorts beschriebenen Knallzentrum, der Ludwigshafener Anstalt für Kabel-Kommunikation (AKK), genauer: in einem Konferenzraum dieser Anstalt, sitzen ein paar Leute und versuchen, sich aus all den vielen Bildern ein Bild zu machen. Wir sehen Kabel-fern, nehmen Anteil am bisher einzigen von vier geplanten deutschen Kabel-Pilotprojekten.