In der gleichen Woche, in der südafrikanische Truppen tief innerhalb Angolas zuschlugen, kündigte ihre Regierung Verhandlungen mit Moçambique an, um bessere Beziehungen zu diesem Nachbarn herzustellen.

Die scheinbar widersprüchliche Politik gegenüber den beiden sich marxistisch nennenden früheren portugiesischen Kolonien gehört in das Gesamtbild der immer entschlossener verfochtenen Strategie der Regierung Botha. Pretoria will seine radikalen schwarzen Nachbarn dazu zwingen, ihr Gebiet nicht mehr für Guerilla-Angriffe gegen Südafrika und Namibia zur Verfügung zu stellen.

Auf Südafrikas Druck hat jetzt Angola eine befristete Truppenentflechtung und Waffenstillstandsgespräche angeboten. Die südafrikanische Politik läßt aber auch eine Ausweitung des Konflikts befürchten: Die Sowjetunion hat Südafrika offiziell gewarnt, daß sie einen Sturz der angolanischen Regierung nicht hinnehmen würde, und kubanische Truppen gerieten auf angolanischem Boden in heftige Kämpfe mit den Südafrikanern.

Gegen Moçambique hat Südafrika in den letzten Monaten mit drei Kommando- und Luftangriffen gegen angebliche Guerillabasen der südafrikanischen schwarzen Bewegung African National Congress in der Hauptstadt Maputo zugeschlagen; außerdem unterstützt Pretoria die MNR-Rebellen, deren Aktionen die Wirtschaft Mocambiques lähmen. Der MNR hat die zentralen Provinzen des Landes verwüstet, die unter einer schlimmen Hungersnot leiden.

In seiner verzweifelten Lage mußte sich Moçambique um Kontakte mit Südafrika bemühen. Vor drei Wochen traf sich der Wirtschaftsminister Jacinto Velose in Swaziland mit dem südafrikanischen Außenminister Pik Botha. Sie legten den Grund für die jetzt beginnenden Verhandlungen: Vier Arbeitsgruppen sollen über Sicherheitsfragen, Finanzen, Tourismus und das mocambiquische Cabora-Bassa-Wasserkraftwerk beraten, aus dem Südafrika Strom bezieht.

Ziel der Südafrikaner ist ein „gegenseitiger Nichtangriffspakt“: Sie sind bereit, den MNR zu zügeln, wenn Moçambique entsprechend den ANC kürzer hält. Mit den Themen der Arbeitsgruppen verspricht Südafrika weitere Hilfe für die darbende Wirtschaft des Nachbarlandes: finanzielle Unterstützung und ein Tourismus-Abkommen, so daß wohlhabende Südafrikaner wieder an der Küste des Nachbarlandes Urlaub machen.

Das gleiche möchte Südafrika mit den Angolanern erreichen. Auch die Unita-Rebellen Jonas Savimbis haben mit südafrikanischer Unterstützung die Wirtschaft ihres Landes an den Rand des Ruins gebracht. Sie stehen heute nur noch in 150 Kilometer Entfernung von der Hauptstadt Luanda. Der Einmarsch der südafrikanischen Armee, der sich erklärtermaßen nur gegen die Swapo und ihre Tätigkeit in Namibia richtet, hat der Unita weiter geholfen: Die angolanische Regierung muß Truppen in den Süden verlegen, und im Norden können die Rebellen vorrücken. Dieser Druck auf Luanda beunruhigt die Sowjets. Südafrikas Regierung berichtete von einer direkten Warnung aus Moskau: Die Sowjetunion werde den Sturz der MPLA keinesfalls hinnehmen und sei bereit, das eigene Engagement entsprechend zu steigern.