Chinas Ministerpräsident Zhao besucht die USA. Peking ist vor allem an wirtschaftlicher Zusammenarbeit interessiert.

Über Guam, Hawaii und Williamsburg in Virginia hatte sich Zhao Ziyang auf Washington eingestimmt. Er ist der bisher ranghöchste Besucher aus dem kommunistischen China, und nach dem nunmehr etablierten Protokoll wird Reagan im April zum Gegenbesuch nach Peking reisen. Einerseits hat die Regierung Reagan gegen den Willen vieler konservativer Republikaner ihre anfängliche Fixierung auf Taiwan zugunsten einer pragmatischen Chinapolitik aufgegeben, andererseits hat die chinesische Führung ihren Zorn über Reagan überwunden. Von der Idee einer unausgesprochen gegen die Sowjetunion gerichteten „strategischen Zusammenarbeit“ ist Peking in den lernen Jahren deutlich abgerückt, und auch die USA halten es heute für wichtiger, China bei der Modernisierung zu helfen und eine stabile Partnerschaft im Fernen Osten zu entwickeln.

Voraussetzung der neuen Annäherung war das Taiwan-Kommunique vom August 1982: Amerika versprach, seine Waffenlieferungen an Taiwan über einen langen Zeitraum abzubauen, die chinesischen Kommunisten gelobten, die Wiedervereinigung nur mit friedlichen Mitteln zu betreiben. Kaum weniger wichtig war, daß die USA China die Meistbegünstigungsklausel im Handelsverkehr und den Status einer befreundeten blockfreien Nation einräumten. Das erst erlaubte den Export von sogenannter Mehrzwecktechnik, Gütern also, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich verwendet werden können. Ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit ist nach den Plänen der Diplomaten auch das einzig konkrete Ergebnis, das Reagan und Zhao nach ihrem Treffen präsentieren sollen. Weitere Vereinbarungen sollen daraus später folgen, ein Regierungsrahmenabkommen für Investitionen und Investoren zum Beispiel. Nicht nur amerikanisches Kapital geht nach China – auch chinesische Unternehmen sind bereits als Anleger in Amerika tätig, offenbar zunächst um den kapitalistischen Markt zu studieren.

Das größte Gewicht hat die geplante Zusammenarbeit im Bereich der Kerntechnik. Die amerikanische Nuklearindustrie sucht händeringend nach Exportmärkten, doch muß die Regierung vorsichtig sein, da China zwar kürzlich der internationalen Atomenergiebehörde beigetreten ist, sonst aber kräftig gegen Geist und Buchstaben des Abkommens über die Nichtverbreitung von Atomwaffen verstößt, dem es von vornherein nicht beigetreten ist.

Für Zhao Ziyang, dem Promotor der wirtschaftlichen Modernisierung Chinas, folgt auf den Washington-Besuch gleich das Silicon-Valley, die Computer-Stadt südlich von San Francisco, und ein Besuch der Universität Berkeley. 13 000 chinesische Studenten und Wissenschaftler lassen sich gegenwärtig in den USA fortbilden. Umgekehrt haben 120 000 Amerikaner 1983 China bereist – Grund genug für beide Seiten, ein neues Kulturabkommen bis zu Reagans Besuch in Peking vorzubereiten –, China hatte das alte Abkommen ausgesetzt, als im vorigen Jahr eine junge Tennisspielerin in den USA abgesprungen war.

Ulrich Schiller (Washington)