Von Cornelie Sonntag

Wer sie am Telephon persönlich nicht erwischt, erhält vom automatischen Anrufbeantworter außer der landläufigen Bitte um Namen, Nummer und Anliegen die berührende Antwort, man werde zurückgerufen „im Fall einer angenehmen Nachricht“. Kein Zweifel: Miriam Frances, Schlagertexterin und mittlerweile auch Verfasserin von Gedichten und Kurzgeschichten, liebt es, eine Prise augenzwinkender Professionalität in ihre Alltags-Korrespondenz einzustreuen. Es gehört zum Markenzeichen, selbst banalen Mitteilungen etwas Schliff zu verleihen.

Das tut sie auch im Gespräch, Wir sitzen keine zehn Minuten in einem italienischen Kellerlokal im Hamburger Stadtteil Winterhude zusammen, da vertraut mir Miriam Frances gleich im Anschluß an ein paar Angaben zur Person – gebürtige Schlesierin, aufgewachsen am Niederrhein, Wirtschaftsabitur, Bankvolontariat, Schauspielausbildung, zeitweilig im Engagement in Wuppertal, dann Texterin, seit zehn Jahren Wahlhamburgerin – Charakteristika ihres Wesens an: Man sage ihr rheinische Mentalität nach, und in der Tat schlage sich das in einer „Kontaktstärke“ nieder, die freilich in „umgekehrt proportionalem Verhältnis“ zu ihrem Bedürfnis nach Ruhe stehe. Sie ist mitteilsam, weiß um ihre Spontaneität, sorgt aber zugleich für wohlformulierte Kontrolle.

Man kennt Miriam Frances eigentlich als Autorin von Texten, mit denen sich die vielgeschmähte Schlager-Industrie der Bundesrepublik von Zeit zu Zeit rechtfertigt; Es gebe ja schließlich nicht nur den seichten Brei, die nervtötende Wiederkehr der Klischees und Worthülsen einerseits und die Skurrilität der schon wieder verebbenden Neuen Deutschen Welle andererseits – nein, es gebe ja auch sowas, wie es die Frances schreibt – Verse mit ein bißchen Witz oder auch Weisheit, Zeilen, aus denen sich hie und da ein kantiges Wort, eine unverhoffte Wendung herausdrängt.

Das Publikum nahm von ihr spätestens Notiz, als sie vor ein paar Jahren ihr Lied „Sechzig Jahre und kein bißchen weist“ von Curd Jürgens’ „quadrophoner“ Stimme (so jedenfalls empfand sie sie) auf die Schallplatte bannen ließ.

Aber neuerdings veröffentlicht sie auch Gedichte, die nicht zum Vertonen gedacht sind, und Prosa: kurze Geschichten, sehr persönliche oder aus anderen Menschen herausgelauschte, manchmal kauzige, gelegentlich auch selbstkritische bis wehmütige Abrechnungen mit dem Alltag – Wartezimmer-Tristesse und die segensreiche Wirkung eines Fernsehdefektes, Kinderkarneval und Liebeskummer, Abmagerungskuren und Partyunbehagen. Eine „unterdrückte Frau“ läßt sie resignierend reimen: „Du hast mich viel zu lang geschunden./Nun bin ich unterm Herzen grau./Ich fühle mich an dich gebunden,/allein hab ich mich nie gefunden, /ich war nur immer deine Frau.“

Und den Monat Mai charakterisiert sie so: „Man fragt nicht: Honig oder Leim?,/am Mai, da bleibt man kleben./Und käme er als Mensch daher, /ich glaub’, er hieße Schulze,/und wäre er ein Liebeslied,/er wäre eine Schnulze.“