Von Isolde von Mersi

Der Fluß ist ein türkisblaues Band, die Autobahn eine kaum sichtbare Schlängelspur daneben, und ringsum liegen nichts als zuckrig weiße Bergspitzen – von oben besehen ist das Inntal eine Idylle.

Kellerjoch heißt der Panorama-Berg, der den Blick freigibt auf das Karwendel-, auf die ersten Buckel des Rofan-Gebirges und auf die Tuxer Voralpen mit ihren ausgedehnten Hochflächen. Bis zu den Hohen Tauern hin reicht die Sicht und zu den Stubaier Alpen, deren schneeglitzernde Zackenkette den imposanten Hintergrund für Innsbruck abgibt.

Das Kellerjoch ist 2344 Meter hoch und der Hausberg des Fuggerstädtchens Schwaz. Er zählt nicht eben zu den prominentesten Tiroler Ski-Tummelplätzen, ist noch der überschaubare, gemütliche Skiberg geblieben, den die Schwazer vor 25 Jahren erschlossen haben. Da gibt es keinen anonymen Massenbetrieb, da sitzen die Leute noch in richtigen Wirtshäusern beisammen, Gastgeber und Gäste.

Mittelpunkt des Skigebiets ist Grafenast, die in 1356 Meter Höhe gelegene zweite Station der dreiteiligen Kellerjoch-Sesselbahn. Ganze drei. Berggasthöfe, ein paar Pensionen und Ferienhäuser sowie eine Kapelle bilden eine Mini-Siedlung. Sie gehört zum nahen Streudorf Hochpillberg, dessen Höfe – manche sind fast vierhundert Jahre alt – sich weit über die südwestliche Flanke des Kellerjochs hinaufziehen.

Das Skizentrum Grafenast ist selbstverständlich mit den Grund-Accessoires eines jeden Skigebiets ausgerüstet, mit Skischule und -kindergarten, mit Sonnenterrassen und Slalomstangen fürs Gästerennen. Grafenast ist außerdem Ausgangspunkt für Rodelpartien hinunter nach Schwaz und für Winterspaziergänge über die sonnigen Hochpillberger Höhen. Selbst Langläufer, die sonst auf der 16 Kilometer langen Inntal-Loipe zwischen Wattens und Buch besser aufgehoben sind, können von hier aus zu einem kleinen Rundlauf aufbrechen.

Bescheidene Dimensionen hat auch das Alpinskigelände am Arbeser Kogel, dem Vorgipfel des Kellerjochs. Die drei Sessellifte führen von Schwaz bis auf 1903 Meter Seehöhe, von dort aus geht’s mit einem Schlepplift auf den höchsten Punkt des Skigebietes, den Arbeser Kopf in 2026 Meter Höhe. Ein weiterer Lift in Gipfelnähe und zwei unterhalb der Station Grafenast – das ist alles, was das Kellerjoch an Aufstiegshilfen bietet.